Patronage

Als Patronage wird die meist staatlich geförderte Inbesitznahme auswärtiger Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der ansässigen Bevölkerung durch Fremdherrschaft bezeichnet. Patrone und Klienten stehen einander dabei kulturell in der Regel fremd gegenüber, was bei den Patronen mit dem Glauben an eine kulturelle (und teils auch biologische) Überlegenheit verbunden war. Diese Vorstellung wurde durch frühe Theorien einer soziokulturellen Evolution gestützt. Die Inbesitznahme des Cyrannus-System durch vornehmlich Virgon und Leonis leistete der Ideologie des Virgo-leonischen Zentrismus Vorschub.

Seit den Weltraumreisen früher kolonialer Entdecker bildeten Virgon und Leonis Klientenreiche auf anderen Planeten. Dies ging mir der wirtschaftlichen Expansion der beiden verfeindeten Kolonien einher. Neben wirtschaftlichen Gewinnerwartungen und der Sicherung künftiger Rohstoffbasen spielten Machtrivalität und Prestigefragen unter den Motiven, die die Patronage im Zeitalter des Imperialismus vorantrieben, eine wichtige Rolle.

Patronage und Kliententum ist begrifflich eng mit alten, etablierten Formen kobolianischer Kultur verbunden. Formen, Ausmaß und Wirkungsweisen der neuzeitlichen Patronage erscheinen in einer weiten Spanne unterschiedlicher Ausprägungen. Sowohl in den politischen Metropolen der Fremdherrschaft als auch in der Peripherie der zugehörigen Klientenkolonien entfalteten die einzelnen Patronagemächte ein breites Spektrum an Besonderheiten hinsichtlich Organisation und Machtausübung sowie bei der Beteiligung von Klienten am Herrschaftsapparat einerseits und bei der Repression der Klientenvölker andererseits. Dies wirkte sich auch über die Patronagezeit hinaus im Verlauf und bei den Folgen der Ausbildung des Staatenbundes nach dem Großen Krieg aus.

Typen und Organisationsformen von Patronage

Von übereinstimmenden Kernmerkmalen wie Über- und Unterordnung zwischen Patronen und Klienten oder den ungleichen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Patronagemächten und ihren Herrschaftsgebieten abgesehen, sind die historischen Erscheinungsformen der neuzeitlichen Patronage äußerst vielfältig. So stellen auch die im Folgenden aufgeführten Typen patronaler Herrschaftsregime und Wirtschaftsorganisation lediglich gemeinsame Nenner für im Einzelfall noch spezifischer gelagerte Ausformungen dar. Je nach Entstehungszusammenhang, Struktur und Ausdehnung der diversen historischen Sonderkonstellationen wird in der Literatur unterschieden zwischen Beherrschungskolonien, Siedlungskolonien, Integrationskolonien und Stützpunktkolonien.

Der Beherrschungskolonie lag zumeist eine militärische Eroberung nach vorheriger Kontaktaufnahme und Vororientierung zugrunde. Nicht Siedler, sondern aus dem Mutterland entsandte Beamte bildeten dabei den Herrschaftsapparat, der die wirtschaftliche Ausbeutung der Klientenkolonie ermöglichte. Die Verwaltungsbehörden in der Peripherie wurden von Kolonialbehörden in der Metropole beaufsichtigt. Von diesem Typ war z. B. Tauron.

Siedlungskolonien entstanden hauptsächlich infolge massenhafter Individualmigration, deren Träger ihre Heimatgebiete ohne Rückkehrabsicht verließen, oft aus wirtschaftlichen Motiven oder Nöten. Die Siedlungskolonisten vertrieben dabei entweder die ansässigen Bevölkerungsgruppen oder unterwarfen sie sich und nutzten sie als Arbeitskräfte. Ihre mitgebrachte Kultur behielten die Siedler bei und übernahmen alsbald in Selbstregierung die politische Herrschaft in ihrem Siedlungsraum. Dabei unterschieden sich die Bedingungen wirtschaftlicher Machtausübung und Ressourcenerschließung beim Siedlungspatronage teils beachtlich. Während es auf Aerilon zur Verdrängung der als unnötig bzw. unbrauchbar angesehenen Urbevölkerung kam, blieb z.B. Leonis auf Scorpia abhängig von einheimischen Arbeitskräften. Hingegen wurden im Norden von Canceron nach Ausrottung der angestammten Bevölkerung landfremde Arbeitssklaven aus Sagittaron importiert.

Integrationskolonien vereinten Elemente von Beherrschungs- und Siedlungskolonien. Die Schlüsselstellungen der Verwaltung besetzten mutterländische Beamte, die sich auf eine mit politischen Mitwirkungsrechten operierende, durch Nachzug und Nachkommenschaft bedeutend anwachsende Siedlerschicht stützten, so zum Beispiel in der Frühzeit von Caprica und Picon. Ihre Bewohner hatten formal die gleichen Rechte wie die Einwohner des Mutterlandes und genossen eine weitgehende lokale Autonomie. Man konnte die Kolonialherrschaft hier ökonomisch auf bereits existierende leistungs- und besteuerungsfähige Ackerbausysteme gründen.

Stützpunktkolonien waren zunächst mit militärischen Mitteln geschaffene und geschützte Handelsstützpunkte, die nicht auf großräumige Binnenkolonisation, sondern auf kommerzielle Erschließung des jeweiligen Hinterlandes zielten. Wo solche Stützpunktkolonien zum Zweck der Vernetzung planmäßig angelegt wurden, dienten sie der Sicherung einer Handelshegemonie der jeweiligen Mutterkolonie. Beispiele dafür waren die virgonischen Stützpunkte auf Gemenon und Canceron oder die leonischen Siedlungen auf Libran. Die politischen Ambitionen der seinerzeit führenden Macht Virgons hatten seit dem 4. Jahrhundert die Anlage von miteinander vernetzten Stützpunkten zur Folge. Dabei ginge es nicht mehr nur um den Schutz von Handelsinteressen; das Netz der virgonischen Klienten erlangte vielmehr nun ein strategisches Eigengewicht. Dabei kamen zu den Flottenstützpunkten bedeutsame „Hafenkolonien“. Als einzig modernisierungsfähiger Klientenkolonietypus hat sich auf längere Sicht der Militärstützpunkt erwiesen.

Wirtschaftliche und soziale Motive und Merkmale

Beteiligte und betroffene Kolonien im Überblick

Patron↓ Klient→ Aerilon Aquarion Canceron Caprica Gemenon Leonis Libran Picon Sagittaron Scorpia Tauron Virgon
Aerilon - - - - - - - - - - - -
Aquarion - - - - - - - - - - - -
Canceron - - - - - - - - - - - -
Caprica X - - - X - - - X - - -
Gemenon - - - - - - - - - - - -
Leonis - - - - - - X X - X X -
Libran - - - - - - - - - - - -
Picon - - - - - - - - - - - -
Sagittaron - - - - - - - - - - - -
Scorpia - - - - - - - - - - - -
Tauron - - - - - - - - - - - -
Virgon X - X X X - - X X - X -

Der Große Krieg als Zäsur

Spätfolgen der Patronage

 
 patronage.txt · Zuletzt geändert: 2019/01/13 17:59 (Externe Bearbeitung)
[unknown button type]
 
Recent changes RSS feed Driven by DokuWiki