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Caprica

Caprica
Antiker NameCapricorn
Alternativer Name/
SchutzgottApollo
Motto„Primo inter pares.“ („Erster unter Gleichen.“)
NationalhymneCaprica Perseveres
Nationalfeiertag:?:
SystemHelios Alpha
Einwohnerzahl7.445.650.000
HauptstadtCaprica City
StaatsformDemokratie
Wichtige StädteCaprica City, Delphi, Phoebus
SehenswürdigkeitenDelphi Museum of the Colonies, Atlas Arena, Caprica Interplanetary Spaceport,Pantheon Bridge, Ionian Islands, Orpheus Park
Pyramid TeamsCaprica City Buccaneers, Delphi Legion, Phoebus Suns

Kapitel 1: Eine zeitgenössische Betrachtung

1.1 Die astronomischen und symbolischen Grundlagen

Die grüne Welt unter Helios Alpha
Caprica umkreist, gemeinsam mit Gemenon, den Stern Helios Alpha und nimmt damit eine zentrale Position im kolonialen System ein. Eine Position, die sich im capricanischen Selbstverständnis längst von einer geographischen zu einer metaphysischen Tatsache gewandelt hat. Der antike Name des Planeten ist Capricorn, der Schutzgott Apollon, Herr des Lichts, der Künste und der Vernunft. Eine Götterwahl, die capricanische Selbstauskünfte stets mit Stolz und andere Kolonien stets mit leichter Belustigung zitieren. Der Planet gilt als eine der fruchtbarsten und vielfältigsten der zwölf Welten, mit ausgedehnten Wäldern, fruchtbaren Ebenen und gemäßigten Küsten, die eine Bevölkerung von nahezu fünf Milliarden Menschen tragen.
Astronomisch teilt Caprica sein Sonnensystem mit Gemenon, Picon und Tauron. Die Nachbarschaft zu Gemenon ist von einiger Ironie geprägt, denn kaum zwei Welten könnten ideologisch weiter voneinander entfernt sein. Während Gemenon in der Wüste seine Schriftrollen studiert, feiert Caprica in den Glastürmen seiner Hauptstadt die Gegenwart. Dass beide Planeten denselben Stern umkreisen, gilt in der capricanischen Alltagsphilosophie als Beweis, dass Licht überall hinfällt — auch dorthin, wo man es nicht zu nutzen weiß. Dass Canceron im System Helios Delta mit 6,7 Milliarden Einwohnern die tatsächlich bevölkerungsreichste Kolonie ist, wird in capricanischen Schulbüchern beiläufig erwähnt und im Alltag gerne vergessen — kulturelle Dominanz bemisst sich schließlich nicht an Köpfen, sondern an Einfluss. Picon wird von Caprica oft ein bisschen belächelt, als eine Kolonie robuster Hinterwäldler und verlässlicher Nachbarn, die ihr virgonisches Erbe nicht so ganz losgeworden sind. Von anderen Kolonien wird Picon oft als das “bessere Caprica” betrachtet, bescheiden, freundlich, höflich und hilfsbereit.

Die Waage Apollons — und ihre stille Ironie
Das klassische Symbol Capricas ist die Waage, in der apollinischen Tradition als Sinnbild für Weisheit, Maß und rechte Ordnung verstanden. Sie schmückt das Wappen der kolonialen Regierung, die Fassaden der Gerichtsgebäude und die Siegel der Apollo Universität bzw. University of Caprica City, wie sie offiziell heißtws. Dass die Höchste Halle der Justiz nicht auf Caprica steht, sondern in Themis auf Libran, gilt capricanischen Juristen als administrative Kuriosität; für Librans ist es eine der wenigen Befriedigungen, die ihnen die Geschichte gelassen hat. Die offizielle Lesart der Waage betont Ausgewogenheit und Vernunft. Kritiker aus anderen Kolonien lesen darin etwas anderes: das capricanische Selbstbild, überall dort als Schiedsrichter aufzutreten, wo man eigentlich Partei ist. Der Witz, dass auf Caprica „die Waage immer in die eigene Richtung kippt“, wird von Tauronern besonders gerne erzählt.

1.2 Caprica City — Die Hauptstadt der Kolonien

Die Stadt als Versprechen
Caprica City gilt — jedenfalls in capricanischem Urteil — als Hauptstadt nicht nur einer Kolonie, sondern der Zwölf Kolonien insgesamt. Sie ist Regierungssitz der Präsidentschaft, Heimat des Quorums der Zwölf und des People's Council, Sitz der wichtigsten Medienkonzerne und des interkolonialen Börsenhandels. Mit rund sieben Millionen Einwohnern ist sie die größte Stadt des Planeten. Die Skyline, dominiert vom Regierungskomplex am Hochufer und den Glastürmen des Finanzdistrikts, wurde in Millionen Werbespots zum Synonym für Moderne.
Die Stadt zieht sich entlang eines breiten Flusstals. Die Pantheon Brücke, die älteste und bedeutendste Brücke des Planeten, verbindet seit Jahrhunderten die beiden Ufer und ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden — ein Nachmittagsspaziergang über die Brücke gehört zum Wochenendrepertoire jedes Capricaners, der etwas auf sich hält. Der Apollo Park, ausgedehnt und sorgsam angelegt, erstreckt sich im Zentrum der Stadt und bietet der urbanen Mittelschicht jenes sanft gezähmte Grün, das auf Leonis wohl als „bemüht“ bezeichnet würde. Der Orpheus Park am südlichen Stadtrand und die vorgelagerten Ionian Islands mit ihren exklusiven Strandvillen vervollständigen das geographische Inventar der capricanischen Selbstdarstellung.

Delphi und Phoebus — Die zweiten Herzen
Die zweitgrößte Stadt Capricas, Delphi, liegt an der Küste und teilt sich mit Caprica City die Rolle als kulturelles Zentrum. Während Caprica City die Politik und das Finanzwesen beherbergt, ist Delphi die Stadt der Wissenschaft und der Museen. Das Delphi Museum of the Colonies galt bis zum Fall als bedeutendstes Museum der Zwölf Welten — eine Sammlung, die sich rühmte, jede Kolonie zu repräsentieren, und die von Besuchern aus Tauron oder Sagittaron regelmäßig als herablassend empfunden wurde. Phoebus, die dritte bedeutende Stadt des Planeten, ist das industrielle und technologische Zentrum, Heimat der Phoebus Suns und zahlreicher Forschungsinstitute.
Zwischen Caprica City und Delphi hat sich ein Korridor dichter Besiedlung gebildet, der auf Karten wie eine einzige Metropole wirkt. Hier wohnt, so schätzte man vor dem Krieg, ein erheblicher Teil aller Capricaner, eine geographische Konzentration, die sich im Ersten Cylonenkrieg als strategisch verhängnisvoll erweisen sollte und im Zweiten nur noch schlimmer.

Die Viertel der Einwanderer
Caprica ist der Schmelztiegel der Kolonien, ein Begriff, den die Capricaner selbst mit Stolz verwenden und den Einwanderer aus anderen Welten gelegentlich mit einem schiefen Lächeln hören. Little Tauron, das tauronische Viertel im Osten Caprica Citys, ist seit Generationen Heimat der größten Diaspora außerhalb Taurons selbst; die Straßen tragen ihre alten Namen, die Restaurants servieren die scharfen Eintöpfe der Heimat und den echten Tauron Cherry Cake, und in den Hinterzimmern laufen Geschäfte, über die offizielle Stellen lieber nichts wissen wollen. Ähnliche Enklaven existieren für fast jede Kolonie, ein leonisches Viertel mit seinen Cafés und seinem hörbar bemühten L'Ancien Léonais, ein aerilonisches mit Bethäusern und Countrymusik, ein sagittaronisches, das offiziell kaum wahrgenommen wird und dessen Bewohner oft als billige Arbeitskräfte im Bau und in der Pflege tätig sind. Die offizielle Ideologie feiert diese Vielfalt als Reichtum Capricas. Die gelebte Realität ist komplizierter: Die Leitkultur bleibt capricanisch, das Capricanische wird als Standardsprache der Kolonien gesprochen, und wer Karriere machen will, legt den Akzent seiner Herkunft besser ab.

Caprica hinter der Fassade
Seit dem Ersten Cylonenkrieg trägt Caprica City Wunden, die mit den Jahrzehnten weniger sichtbar, aber nicht weniger real geworden sind. Ganze Viertel im Osten und Nordosten, in den fünfziger Jahren noch Wohngebiete der Mittelschicht, sind heute Orte, über die man nicht spricht: leerstehende Fabriken, zerbrochene Schaufenster, eine Infrastruktur, die kein Geld mehr sieht, weil das Geld längst anderswohin geflossen ist. Die capricanische Selbstgewissheit, die in den Hochzeiten der Nachkriegsjahre unerschütterlich schien, hat in diesen Straßen Risse bekommen — Risse, die man in den Glasfassaden der Riverwalk nicht sieht, solange man nicht genauer hinschaut.

1.3 Transportwesen und urbane Infrastruktur

Die MAGLEV und der Spaceport
Die MAGLEV — MAGnetic LEVitation — ist das Rückgrat des capricanischen Stadtverkehrs. Mit Spitzengeschwindigkeiten von über 550 Klicks pro Stunde verbindet sie die Ballungszentren des Hauptkontinents in einer Zeitrechnung, die anderen Kolonien utopisch erscheint. Dass die MAGLEV in den letzten Jahren wiederholt Ziel von Anschlägen wurde — meist aus dem Umfeld tauronischer und sagittaronischer Splittergruppen — hat zu verschärften Sicherheitskontrollen und zu jenem beiläufigen Misstrauen geführt, das moderne Großstädte mit sich bringen und das Capricaner mit einer Mischung aus Entrüstung und Resignation zur Kenntnis nehmen.
Der interkoloniale Spaceport Caprica Citys ist der größte zivile Raumhafen der Zwölf Kolonien. Von hier aus gehen tägliche Linienflüge nach Picon, Leonis, Virgon, Canceron und in die übrigen Kolonien; hier trifft man die Geschäftsreisenden, die Studenten, die Familien auf dem Weg zu Verwandten in den Enklaven. Die Sicherheitskontrollen sind gründlich und zeitraubend — ein Umstand, der im Reiseführer höflich, von tatsächlichen Reisenden meist weniger höflich kommentiert wird.

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1.4 Sprache und kulturelle Hegemonie

Capricanisch als Lingua Franca
Capricanisch ist die Sprache der kolonialen Verwaltung, der Wissenschaft, des Militärs und des interkolonialen Handels. Sie wurde nicht aus ästhetischen Gründen zum Standard, sondern aus schierer wirtschaftlicher Schwerkraft: Wer in den letzten Jahrhunderten Geld verdienen wollte, lernte Capricanisch. Die Tatsache, dass in Luminere L'Ancien Léonais gesprochen wird, auf Gemenon Altgeminesisch als Liturgiesprache gepflegt wird und in Hades die hundert Dialekte Cancerons koexistieren, wird auf Caprica mit derselben wohlwollenden Duldung zur Kenntnis genommen wie die Existenz regionaler Volkstrachten — charmant, pittoresk, letztlich irrelevant.
Der capricanische Akzent selbst — flach, schnell, wenig moduliert — wird in der interkolonialen Medienlandschaft als neutral empfunden und entsprechend als Standard der Nachrichtensprecher durchgesetzt. Ein Leonier, der seinen Akzent zu hören gibt, klingt gebildet; ein Sagittaroner klingt rückständig; ein Capricaner klingt einfach nach Nachrichten. Die höfliche Verachtung gegenüber dem Eigensinn
Die capricanische Haltung gegenüber anderen kolonialen Sprachen ist nicht Feindseligkeit, sondern etwas Schlimmeres: Herablassung. Man findet Leonis' Festhalten an L'Ancien Léonais „charmant“, Taurons altgriechisch verwandte Sprache „interessant“, Gemenons liturgische Formeln „außerordentlich faszinierend“ — und keine dieser Bewertungen wird von den Betroffenen als Kompliment verstanden. Die stille Unterstellung lautet: All diese Sprachen mögen ihren Wert haben, aber ernsthaft reden tun wir auf Capricanisch.

1.5 Bildung und intellektuelle Tradition

Die Apollo Universität | University of Caprica City
Die Apollo Universität in Caprica City, gegründet in der ersten Blütezeit der modernen Republik, gilt nach capricanischem Urteil als führende Hochschule der Kolonien — ein Urteil, das auf Leonis mit einem dünnen Lächeln quittiert wird, trägt die Universität von Luminere doch mehr als tausend Jahre Geschichte. Die Apollo Universität kontert das mit einer anderen Metrik: Sie zählt mehr Preise, mehr Patente, mehr Spin-off-Unternehmen, mehr Präsidenten. Ob Tradition oder Innovation der wahre Gradmesser einer Universität ist, darüber streiten die Rektoren beider Welten seit zwei Jahrhunderten — und werden es nun nicht mehr tun.
Die Fakultäten für Ingenieurwissenschaften und Informatik dominierten die kolonialen Rankings. Hier wurden jene Fortschritte in der Kybernetik gemacht, die zur Entwicklung der Cylonen führten — ein Umstand, über den in den institutionellen Selbstdarstellungen der Universität selten gesprochen wurde und der seit dem Fall der Kolonien auch nicht mehr gesprochen wird. Auf dem Campus befinden sich ein erstrangiges Kunstmuseum und ein Theater, das für seine Produktionen auch in Delphi und Hedon Beachtung findet.

Die Medienschulen und das Caprica Kunst Museum
Die Schulen für Journalismus und Kommunikationswissenschaft in Caprica City und Delphi bildeten Generationen von Reportern, Produzenten und Meinungsmachern aus, die das interkoloniale Medienbild prägten. Die Vorstellung, was ein „neutraler“ Bericht sei, welche Themen Aufmerksamkeit verdienen und welche nicht, wurde hier geformt und von dort in die Kolonien exportiert. Das Caprica Kunst Museum im Herzen der Innenstadt galt als eines der bedeutendsten seiner Art; seine Dauerausstellung zu den Kunstschätzen Kobols zog jährlich Millionen Besucher an und demonstrierte jenes capricanische Selbstverständnis, Hüter eines gemeinsamen kulturellen Erbes zu sein, das es in weiten Teilen der Kolonien gar nicht als gemeinsam verstanden wissen wollte.

1.6 Die Wirtschaft der Dominanz

Finanzen und Börsen
Die Capricanische Börse war vor dem Fall die größte Handelsplattform der Zwölf Kolonien. Hier wurden die Aktien der größten Konzerne gehandelt, hier formte sich der interkoloniale Kapitalmarkt, hier entstanden — und platzten — die großen Blasen der letzten dreißig Jahre. Die Tatsache, dass Libran die Banken beherbergte und Caprica die Börse, war keine Redundanz, sondern Arbeitsteilung: Libran verwaltete das Geld konservativ, Caprica ließ es fliegen.

Graystone und Stark — Die beiden Giganten
Zwei Namen dominierten die capricanische Technologie- und Rüstungsindustrie: Graystone Industries und Stark Industries. Graystone, der legendäre Konzern aus Caprica City, war Geburtsort des Holobandes, des Graystone-Computers und jener kybernetischen Forschung, die später zu den Cylonen führte. Werksführungen durch die Fabrikanlagen gehörten zum touristischen Standardprogramm, und die Rhetorik der Graystone-CEOs — von Daniel Graystone bis zu seinen Nachfolgern — füllte die Wirtschaftsseiten mit jener Dichte aus Pioniergeist und Visionärsrhetorik, die im übrigen kolonialen Raum als peinlich galt.
Stark Industries, gegründet eine Generation später, etablierte sich als Graystones schärfster Konkurrent, insbesondere im Bereich der Rüstungstechnologie. Wo Graystone die zivile und dann die militärische Informatik beherrschte, spezialisierte sich Stark auf Waffensysteme, Panzerung und Raumfahrt-Infrastruktur. Die Rivalität der beiden Häuser ist legendär — eine Geschichte aus feindlichen Übernahmeversuchen, abgeworbenen Ingenieuren, gerichtlichen Patentstreitigkeiten und einer diskret geführten Propagandaschlacht in den capricanischen Wirtschaftsmagazinen. Dass der Familienname Stark auch in anderen Kolonien mit einigem Einfluss verbunden ist — bis hinein in die alten Handelshäuser Leonis' — hat die Position des Konzerns nicht geschwächt. Zum Zeitpunkt des Zweiten Cylonenangriffs galten Graystone und Stark als die beiden mächtigsten privaten Rüstungsakteure der Kolonien, und zwischen ihnen herrschte ein Gleichgewicht, das mehr einem Kalten Krieg als einem Markt glich.

Medien und Unterhaltung
Wenn Leonis das Autorenkino kultivierte, so beherrschte Caprica die Unterhaltungsindustrie der Kolonien. Serien, Spielfilme, Musikproduktionen, Sportübertragungen — die capricanischen Studios setzten den Massengeschmack, und der Rest der Kolonien konsumierte. Die Baxter Sarno Show, zu ihrer Zeit das einflussreichste Late-Night-Format der Zwölf Welten, stand sinnbildlich für diese Dominanz: Wer auf Sarnos Sessel landete, hatte es geschafft — und wer von ihm verspottet wurde, hatte es meist auch geschafft, nur anders. Eine Aufzeichnung seiner Show in Caprica City zu besuchen, galt als touristisches Pflichtprogramm; die Schlange vor dem Studio war ein fester Bestandteil der Stadtkulisse.
Das Holo Café, Inbegriff des modernen capricanischen Stadtlebens, kombinierte Gastronomie mit Multiport-Zugang ins Cyberland und machte eine ganze Generation junger Capricaner zu jenen ständig vernetzten Zeitgenossen, die den Kulturpessimisten in Luminere Stoff für Feuilletondebatten lieferten. Die Ambrosia-Destillerien in der weiteren Umgebung Caprica Citys boten Führungen mit Verköstigung an — eine Form des touristischen Selbstgenusses, die von Scorpianern mit einem Augenrollen und von Aerilonern mit gar keiner Reaktion bedacht wurde.

1.7 Die Pyramid-Kultur

Pyramid, der interkoloniale Mannschaftssport, hat auf Caprica den Status einer säkularen Religion. Caprica stellt mit drei Franchises, den Caprica Buccaneers, der Delphi Legion und den Phoebus Suns, mehr Teams in der kolonialen Spitzenliga als jede andere Welt. Die Buccaneers, beheimatet in der Atlas Arena in Caprica City, sind die erfolgreichste und populärste dieser Franchises. Das Atlas-Stadion, ein gigantisches Rund mit hochmoderner Ausstattung, dient neben Pyramid-Heimspielen auch als Konzertkulisse für die größten Musikacts der Kolonien, eine Mehrfachnutzung, die die capricanische Affinität für spektakulären Konsum treffend verkörpert. Das Spiel selbst — schnell, taktisch, körperbetont — wurde zum Vehikel für die capricanische Selbstinszenierung: individuelle Brillanz im Dienst eines Teams, kommerzielle Perfektion, mediale Überhöhung. Dass auf Scorpia mit seinen vier Franchises und in Canceron mit ebenso viel Leidenschaft gespielt wurde, wurde als Beleg für die universelle Anziehungskraft des Sports gewertet und nicht als Hinweis darauf, dass andere Kolonien vielleicht einfach besser seien.

1.8 Die capricanischen Selbstgewissheit

Caprica ist eine Gesellschaft, die überzeugt davon ist, den universellen Maßstab zu setzen, und die sich in dieser Überzeugung durch die übrigen Kolonien bestätigt sieht oder zumindest nicht ernsthaft widerlegt. Die capricanische Lebensform: städtisch, kosmopolitisch, individualistisch, konsumorientiert, wird als natürlicher Endpunkt menschlicher Entwicklung verstanden, zu dem alle anderen Kolonien früher oder später aufschließen werden. Dass Aerilon seine Gruppenehen pflegt, Gemenon seine Theokratie, Sagittaron seine Armut: Das alles sind für den gebildeten Capricaner Übergangsphänomene, Folklore der Unterentwicklung.
Diese Selbstgewissheit ist Capricas größte Stärke und zugleich seine blinde Stelle. Die Annahme, dass der eigene Weg der Weg sei, hat dazu geführt, dass Caprica wenig Verständnis für die Eigensinnigkeit der anderen Kolonien entwickelt hat und auch wenig Verständnis dafür, dass die capricanische Dominanz selbst Gegenreaktionen erzeugt. Die tauronischen Aufstände, die sagittaronische Radikalisierung, der gemenonische Fundamentalismus: In Caprica City las man darüber wie über ferne Naturereignisse, die zwar bedauerlich, aber letztlich zu beherrschen seien.
Seit dem Ersten Cylonenkrieg hat diese Selbstgewissheit leise Risse bekommen. Die verfallenden Viertel im Osten, die wachsende Schicht derer, die vom capricanischen Versprechen nicht mehr profitieren, die Rückkehrer aus dem Krieg, deren Erzählungen nicht in die glatten Heldenerzählungen der Propaganda passten — all das hat eine Unruhe erzeugt, die unter der Oberfläche brodelt. Caprica spricht darüber nicht gerne.

Kapitel 2: Klima und Geographie von Caprica

2.1 Die grüne Welt

Klimatische Vielfalt als Grundlage
Caprica ist eine Welt moderater klimatischer Bedingungen, mit einer Achsneigung ähnlich der Erde und einem Jahreszyklus, der alle vier Jahreszeiten deutlich unterscheidbar ausprägt. Dies unterscheidet den Planeten markant von Leonis mit seiner ewigen Konstanz und verleiht der capricanischen Kultur einen natürlichen Rhythmus, den sie — im Gegensatz zu Leonis — selbstverständlich voraussetzt und daher kaum reflektiert.
Die klimatische Vielfalt erstreckt sich von subtropischen Küsten über gemäßigte Kontinentalebenen bis zu kühlen Bergregionen. Diese Vielfalt machte Caprica zur landwirtschaftlich produktiven Welt, wenngleich nicht zur bedeutendsten — diesen Rang hält traditionell Aerilon —, und trug wesentlich zur demographischen Expansion bei, die den Planeten schließlich zu einer der bevölkerungsreichsten Welten der Kolonien machte.

2.2 Die Geographie der Kontinente

Die bewohnte Welt
Caprica verfügt über mehrere Kontinente, von denen der zentrale Hauptkontinent das politische, wirtschaftliche und kulturelle Herz der Kolonie bildet. Hier liegen Caprica City, Delphi und Phoebus, hier erstrecken sich die großen Agrarregionen des Binnenlandes, hier verlaufen die Hochgeschwindigkeitsbahnen der MAGLEV, die das Land zu einem wirtschaftlichen Ganzen verknüpfen.
Die anderen Kontinente sind dünner besiedelt, industriell spezialisiert oder touristisch erschlossen. Der südliche Kontinent beherbergt die Weinbaugebiete Capricas (die es zwar gibt, die aber gegen den leonischen Weinbau stets als „solide, aber nicht großartig“ eingestuft wurden, ein Urteil, das capricanische Winzer inzwischen als fair akzeptieren und das sie mit günstigeren Preisen und höheren Produktionsmengen kompensieren). Der nördliche Kontinent ist Rohstofflieferant, mit Erzminen und Forstwirtschaft. Die Ionian Islands, eine Inselgruppe vor der Ostküste, sind Ferienziel der Oberschicht und verfügen über eine Dichte an Luxusappartements und Yachthäfen, die Reportagen über „Exzesse der Eliten“ in den anderen Kolonien verlässlich mit Bildmaterial versorgt.

Die Flüsse und Küsten
Der Fluss, an dem Caprica City liegt, gilt als der bedeutendste Strom des Planeten und prägt die Identität der Hauptstadt tief. Die Pantheon Brücke, älteste und atemberaubendste Brücke Capricas, verbindet die beiden Ufer und ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Leonier, die zu Besuch kommen, finden die Brücke „ganz hübsch“ — was in leonischem Idiom bedeutet, dass sie das leonische Aquädukt von Saint-Cyr für das eindrucksvollere Bauwerk halten. Die Küsten Capricas, insbesondere die Ostküste mit Delphi und den darum liegenden Badeorten, sind traditionelles Sommerziel der capricanischen Mittel- und Oberschicht. Die Villen der Reichen drängen sich in den exklusiven Enklaven; die Strände der öffentlichen Küstenabschnitte füllen sich im Sommer mit jenen, die es sich nicht leisten können, Delphi oder die Ionian Islands zu buchen.

2.3 Die Architektur der Moderne

Die Glastürme und ihr Preis
Die Architektur Caprica Citys ist eine Architektur der vertikalen Behauptung. Die Türme des Finanzdistrikts, die Regierungsbauten am Hochufer, die Wohntürme der neuen Mittelschicht, alles drängt in die Höhe, alles zeigt Glas, alles ist transparent und zugleich unzugänglich. Die Fassaden reflektieren den Himmel und sich gegenseitig in einem System von Spiegelungen, das für Besucher verwirrend wirkt und für Capricaner die normale Wahrnehmung ihres städtischen Raums darstellt.
Nach dem Ersten Cylonenkrieg wurde viel neu gebaut. Während Leonis sich entschied, seine zerstörten Städte originalgetreu zu rekonstruieren, nutzte Caprica die Zerstörung als Gelegenheit zur Modernisierung. Ganze Viertel wurden abgerissen und in der Formensprache der neuen Zeit wieder aufgerichtet, glatter, höher, effizienter. Was an historischer Substanz verloren ging, wurde in Einkaufsumsätzen und Bürofläche kompensiert. Ob dieser Tausch ein Gewinn war, ist Gegenstand einer Debatte, die auf Caprica weniger geführt wird als auf Leonis.

Die Vorstadt als soziales Modell
Jenseits der Türme erstreckt sich die Vorstadt, endlose Siedlungen von Einfamilienhäusern mit gepflegten Rasen, Garagen für zwei Fahrzeuge, Schulen mit Pyramid-Feldern. Dieses Modell, die „capricanische Suburbia“, wurde in der Nachkriegszeit als Ideal der aufstiegsorientierten Mittelschicht etabliert und in Werbung, Serien und Filmen bis zur Sättigung propagiert. Es funktionierte auch, für diejenigen, die es sich leisten konnten und deren Hautfarbe, Herkunft und Lebensentwürfe in das Bild passten.

2.4 Die Psychologie des Zentrums

Die Capricaner entwickelten eine Mentalität, die von der geographischen und ökonomischen Zentralität ihrer Welt geprägt war: ein selbstverständliches Gefühl der Zugehörigkeit zum Wichtigen, eine Ungeduld mit dem Peripheren, eine Neigung, die eigene Perspektive mit der universellen zu verwechseln. „Ein Capricaner in der Provinz“ ist auf allen Welten ein Stehsatz für eine bestimmte Art höflicher Ignoranz — den Geschäftsmann, der erwartet, dass sein Akzent verstanden und seine Kreditkarte akzeptiert wird, und der nicht versteht, warum der Kellner in Hades ihn mit einer Mischung aus Höflichkeit und Verachtung bedient.
Diese Mentalität ist keine individuelle Anmaßung, sondern ein strukturelles Produkt. Wer in einem Zentrum aufwächst, lernt nie, dass es Zentren auch anderswo gibt. Die wenigen Capricaner, die lange genug in anderen Kolonien gelebt haben, um diese Lektion zu verinnerlichen, kehren oft als Skeptiker zurück und schreiben Bücher, die auf Caprica höflich besprochen und wenig gelesen werden.

Kapitel 3: Die Geschichte von Caprica — von Kobol bis zum Fall

3.1 Die Gründung und die frühe Zeit (2850–3500)

Die Landung des Stammes des Capricornus
Die Überlieferungen berichten, dass der Stamm des Capricornus nach dem großen Exodus von Kobol jene fruchtbare Welt erreichte, die später seinen Namen tragen sollte. Anders als bei Leonis ist von einem dramatischen Gründungsakt keine Rede — keine rammende Göttin, kein proklamierendes Schwert. Die Gründungslegenden Capricas berichten stattdessen von pragmatischer Landnahme, von der Verteilung fruchtbarer Böden, von der Gründung der ersten Siedlungen an den großen Flüssen. Dies passt, wie capricanische Historiker gerne betonen, zum Wesen der Kolonie: Caprica war nie die Welt der Propheten, sondern stets die Welt der Bürger.
Der Schutzgott des Stammes war und ist Apollon, Herr des Lichts, der Künste, der Vernunft und der Prophetie, eine Göttergestalt, in der sich die capricanische Selbstauffassung bis heute spiegelt. Das capricanische Religionsverständnis entwickelte sich schon früh weniger hieratisch als auf Gemenon oder Leonis. Die Zwölf Götter wurden verehrt, aber nicht gefürchtet; die Priesterschaft war respektiert, aber nicht mächtig. Schon in der frühen Zeit zeichnete sich ab, dass Caprica eine Gesellschaft der Handelsleute und Städtegründer werden würde, nicht eine der Tempelhüter.

Das Zeitalter der Städte (3000–3500)
Während Leonis sein erstes Kaiserreich errichtete und Virgon seine Monarchien festigte, entstanden auf Caprica zunächst unabhängige Stadtstaaten, die in lockerer Konföderation miteinander Handel trieben und sich gelegentlich bekriegten. Diese Epoche, die später als „Die Zeit der Hundert Städte“ romantisiert wurde, legte den Grundstein für die capricanische Handelskultur und die Skepsis gegenüber zentralisierter Macht, eine Skepsis, die später im republikanischen Selbstverständnis ihren institutionellen Ausdruck fand. Ob dieser Befund historisch ganz zutrifft oder eher eine Projektion späterer capricanischer Ideologie in die Vergangenheit darstellt, ist unter den Historikern Lumineres umstritten und auf Caprica selbst eine Frage, die man lieber nicht stellt.

3.2 Die Große Konföderation und das Zeitalter des Handels (3500–4250)

Die Konsolidierung
Um 3500 formierte sich die Große Konföderation — ein Zusammenschluss der wichtigsten Stadtstaaten unter einer gewählten Ratsversammlung. Diese Konföderation war weder demokratisch im modernen Sinne noch aristokratisch im leonischen; sie war eine Oligarchie der großen Handelshäuser, die sich die Mühe der Regierung teilten, um ihre Geschäfte zu schützen. Die Ratsversammlung tagte in wechselnden Städten, was einerseits die Macht verteilte und andererseits die Entwicklung einer einheitlichen Hauptstadt um Jahrhunderte verzögerte.

Der Konflikt mit Leonis (ca. 3800–4100)
In der Blütezeit des Leonischen Kaiserreichs geriet Caprica wiederholt in Konflikt mit den expandierenden leonischen Machtansprüchen. Während Virgon direkte militärische Auseinandersetzungen mit Leonis suchte, verfolgte Caprica eine andere Strategie: die des wirtschaftlichen Ausweichens, der diplomatischen Bündnisse mit den unterlegenen Gegnern Leonis', der langfristigen Unterminierung der leonischen Handelsrouten. Diese Strategie — „handeln, nicht kämpfen“, so ein späterer capricanischer Historiker — erwies sich als erfolgreicher als jede Schlachtformation. Während Leonis sich in seinen Kriegen verausgabte, wuchs Capricas Wohlstand.
Diese Episode prägte das capricanische Selbstverständnis nachhaltig. Die Überzeugung, dass Handel und Vernunft der Waffengewalt überlegen seien, wurde zum ideologischen Kern der späteren Republik. Dass diese Überzeugung selbst eine bestimmte Form der Waffengewalt ist — nämlich die der ökonomischen Dominanz — reflektierte man auf Caprica nicht.

3.3 Die Gründung der Republik und der Aufstieg zur Großmacht (4250–4500)

Die Revolution der Händler
Während auf Leonis die Balbuzard-Revolution tobte, vollzog sich auf Caprica eine weniger blutige, aber nicht weniger tiefgreifende Umwälzung. Die Große Konföderation, deren oligarchische Struktur den wachsenden Ansprüchen einer aufstrebenden Mittelschicht nicht mehr genügte, wurde in einer Serie politischer Reformen — und einigen geschickt inszenierten Straßenprotesten — in die Erste Capricanische Republik überführt. Ein gewähltes Parlament, eine geschriebene Verfassung, garantierte Bürgerrechte: all das etablierte sich auf Caprica rund ein Jahrhundert vor der leonischen Ersten Republik.
Der capricanische Stolz auf dieses historische Vorreitertum ist erheblich. „Die älteste Demokratie der Kolonien“ ist ein Topos, der in Reden und Schulbüchern mit bemerkenswerter Häufigkeit wiederkehrt und der von leonischen Historikern mit dem Einwand abgetan wird, dass eine Demokratie, in der nur zwanzig Prozent der Bevölkerung wählen durften, eigentlich eine Oligarchie mit gutem Wahlrecht sei.

Der Aufstieg zur kulturellen Führungsmacht (4400–4500)
Mit der industriellen Revolution, die auch Caprica erfasste, verschob sich das ökonomische Gewicht der Kolonien nachhaltig. Während Leonis zwischen Tradition und Moderne schwankte und Virgon die Kosten seines Empires zu tragen hatte, investierte Caprica in Fabriken, Universitäten, Medien. Die ersten interkolonialen Tageszeitungen wurden auf Caprica gegründet, die ersten modernen Konzerne, die ersten Versuche einer koloniübergreifenden Handelsordnung.

3.4 Das Zeitalter vor dem Krieg (4500–4800)

Caprica als Zentrum
Im Laufe des 46. und 47. Jahrhunderts kobolischer Zeitrechnung kristallisierte sich Capricas Rolle als kulturelles, wirtschaftliches und politisches Zentrum der Zwölf Kolonien endgültig aus. Dass eine formale politische Einigung der Kolonien in dieser Epoche noch nicht zustande kam, lag weniger an Capricas Zögern als am Widerstand Leonis' und Virgons, die ihre historischen Vorrangstellungen nur ungern räumten. Die Kolonien blieben eigenständige Nationen, die untereinander Handel trieben, sich in wechselnden Bündnissen gegenüberstanden und immer wieder auch Kriege führten, ein Zustand, der erst der Cylonenkrieg mit brutaler Unwiderruflichkeit beenden sollte.

Die Erschaffung der Cylonen (ca. 4798)
Die Cylonen — die Cybernetic Life-form Nodes — wurden in den Zwölf Kolonien entwickelt, mit maßgeblicher Beteiligung capricanischer Forschungsinstitutionen. Die Arbeiten, die zu ihrer Erschaffung führten, fanden in den kybernetischen Labors der Apollo Universität und in den Entwicklungsabteilungen der großen Technologiekonzerne statt, allen voran bei Graystone Industries, während Stark Industries parallel an den Waffensystemen arbeitete, die die Cylonen später tragen sollten. Die ursprüngliche Intention war die Entwicklung einer fortschrittlichen künstlichen Arbeitskraft, die die Kolonien von den unangenehmsten Arbeiten entlasten sollte — eine Intention, die mit bemerkenswerter Schnelligkeit in militärische Anwendungen überführt wurde, sobald sich zeigte, welche Fähigkeiten die neuen Maschinen hatten.
Die Geschwindigkeit, mit der die Cylonen Selbstbewusstsein entwickelten, ist bis heute Gegenstand der Debatte. Was nicht Gegenstand der Debatte ist: dass ihre Entwicklung auf Caprica maßgeblich vorangetrieben wurde, und dass Caprica damit einen erheblichen Anteil der moralischen Verantwortung für die spätere Katastrophe trägt. Dies ist eine Verantwortung, die in der offiziellen capricanischen Erinnerung wenig Raum einnimmt — verständlicherweise, denn sie lässt sich nur schwer in die Heldenerzählung der fortschrittsführenden Kolonie integrieren.

Der Erste Cylonenkrieg (4805–4817)
Der Cylonenaufstand traf Caprica mit besonderer Wucht. Die Metropolen wurden bombardiert, die Infrastruktur schwer beschädigt, Millionen starben. Die koloniale Verteidigung, noch nicht als einheitliche Flotte organisiert, sondern als Zusammenschluss einzelner nationaler Streitkräfte, führte den Verteidigungskrieg mit wechselndem Erfolg. Nach zwölf Jahren endete der Krieg mit dem Waffenstillstand von Cimtar und dem Rückzug der Cylonen in unbekannte Gebiete. Der Wiederaufbau Capricas erfolgte in der oben beschriebenen Formensprache der neuen Zeit. Er war ökonomisch erfolgreich und emotional problematisch. Eine ganze Generation wuchs in der Nachkriegszeit heran, die den Krieg nicht erlebt hatte, aber seine Folgen täglich sah: in den Veteranen, die in den Parks saßen, in den Witwen, deren Männer nie zurückkehrten, in den Straßenzügen, die einfach nie wiederaufgebaut wurden.

Die Articles of Colonization und die Geburt der Föderation
Die entscheidende politische Folge des Ersten Cylonenkriegs war die Unterzeichnung der Articles of Colonization, einundfünfzig Jahre vor dem zweiten und endgültigen Angriff. Was jahrhundertelang nicht gelungen war — die politische Einigung der Zwölf Welten — gelang nun unter dem Eindruck des gemeinsam überstandenen Traumas. Eine föderale Verfassung, ein gemeinsamer Präsident, ein Zweikammerparlament aus Quorum of Twelve und People's Council: Die Kolonien wurden zu einem Staatswesen, und Caprica City wurde, wie es nicht anders sein konnte, zu dessen Hauptstadt. Der Colonial Day, der Jahrestag der Unterzeichnung, wird bis heute am 185. Tag des Jahres gefeiert, ein Feiertag, der auf Caprica mit besonderem Pathos begangen wird und dessen Bedeutung für Leoniers, Tauroner und Virgonier entsprechend gemischter Natur ist.

3.5 Die letzten Jahrzehnte (4800–4856)

Die Präsidentschaft Adars und der falsche Frieden
Unter der Präsidentschaft Richard Adars, der nach einer erfolgreichen politischen Karriere auf Caprica zum kolonialen Präsidenten gewählt wurde, erlebten die Zwölf Kolonien eine Phase wirtschaftlicher Prosperität und scheinbarer Stabilität. Die Erinnerung an den Cylonenkrieg verblasste, die Rüstungsausgaben wurden reduziert, die koloniale Flotte modernisiert — modernisiert allerdings in einer Weise, die sich später als verhängnisvoll erweisen sollte: in einer Weise nämlich, die die Systeme vernetzte und für den Angriff einer überlegenen künstlichen Intelligenz anfällig machte. Dass ausgerechnet die Programmierer der Kampfstern-Navigationssoftware aus den Reihen eines Unternehmens stammten, an dem Stark Industries maßgeblich beteiligt war, wurde nach dem Angriff Gegenstand einer Untersuchung, die nie zu einem Ergebnis kam, weil es die untersuchende Behörde nicht mehr gab.
Die kulturelle Dominanz Capricas erreichte in dieser Epoche ihren Höhepunkt. Die Medienkonzerne, die Universitäten, die Mode, die Popkultur — alles strahlte von Caprica aus. Die capricanische Lebensform schien unangefochten das Modell der Zukunft zu sein.

Epilog: Das Ende (4856)
Am 276. Tag des Jahres 4856 kehrten die Cylonen zurück. Der Angriff traf Caprica zuerst und härter als jede andere Welt. Caprica City, Delphi, Phoebus, die vernetzten Städte des Hauptkontinents — binnen Stunden waren sie zerstört oder unter cylonische Kontrolle gebracht. Die Defensivsysteme, die für den Schutz der Kolonie hatten sorgen sollen, wurden durch den in ihrer eigenen Software verborgenen Navigationscode kompromittiert. Die Millionen, die das capricanische Versprechen der Moderne bewohnten, die Büros der Pantheon Brücke, die Vorstädte, die verfallenen Viertel im Osten, die Glasfassaden der Atlas Arena, die Holo Cafés, die Ambrosia-Destillerien, sie starben alle in wenigen Tagen.
Die Prophezeiung, die auf Caprica niemand ernst genommen hatte, dass nämlich die Geschöpfe ihrer Ingenieure sich eines Tages gegen sie wenden würden, erfüllte sich mit der gründlichen Ironie, die der Geschichte eigen ist. Unter den Überlebenden der Flotte sind die Capricaner zahlreich, aber nicht mehr dominant. Die Stimmen, die früher selbstverständlich die Tonlage vorgegeben hätten, müssen sich nun in einem engeren Raum mit den anderen Stimmen arrangieren — den leonischen, den tauronischen, den sagittaronischen. Ob Caprica daraus eine späte Lektion in Bescheidenheit zieht, oder ob die capricanische Selbstgewissheit die Katastrophe überlebt wie ein besonders zäher Unkraut, wird sich erst auf dem Weg zeigen, den die Flotte nun geht.

4. Irdische Entsprechung

Farbe: Pink │ Dominantes Merkmal: Modern, flippig

Kurzversion:
Das Zentrum von allem — oder zumindest glaubt Caprica das. Politik, Medien, Mode, Meinung: alles läuft hier zusammen. Eine Kolonie der gläsernen Türme und der großen Gesten, in der jeder überzeugt ist, dass der eigene Lebensstil der Maßstab für alle anderen sein sollte. Kosmopolitisch, arrogant, und seit dem Krieg nicht mehr ganz so sicher, wie lange das noch gut geht.

Ausführliche Notizen:
Caprica ist die USA als Weltpolizist und kultureller Hegemon — Washington D.C. für die politische Macht, New York für die Finanzwelt, Hollywood/L.A. für die kulturelle Dominanz. Der Melting Pot ist real: Einwanderer aus allen Kolonien haben eigene Stadtviertel, eigene Küchen, eigene Zeitungen, aber die Leitkultur ist caprikanisch und alle wissen es.
Der starke Individualismus ist Programm — Selbstverwirklichung als höchster Wert, was in der Praxis oft heißt, dass Solidarität dort aufhört, wo sie unbequem wird. Die westliche Arroganz des „Wir wissen es einfach besser“ ist das prägende Grundgefühl, und es wird von den anderen Kolonien entsprechend verachtet. Seit dem Krieg allerdings zeigen sich Risse: die Detroit-Parallele ist bewusst — ehemals glänzende Viertel verfallen, die Infrastruktur bröckelt, und die capricanische Selbstgewissheit bekommt Dellen.

Inspiration:
The West Wing (für das politische Selbstbild), Succession (für die Elitenkultur), die reale Spannung zwischen amerikanischem Optimismus und amerikanischem Verfall.

5. Charaktere von Caprica

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