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Libran

Libran
Antiker NameLibra
Alternativer Name/
SchutzgottAthena
Motto„Strength Through Justice“
Nationalhymne:?:
Nationalfeiertag:?:
SystemHelios Gamma
Einwohnerzahl 2.897.655.000
Hauptstadtkeine, inoffiziell Themis
Staatsformparlamentarische Demokratie
Wichtige StädteThemis, Aurelia
SehenswürdigkeitenHohe Halle der Justiz in Themis, Naturparks

Kapitel 1: Eine zeitgenössische Betrachtung

1.1 Die astronomischen und symbolischen Grundlagen

Unter Themis
Libran liegt im System Helios Gamma, gemeinsam mit Scorpia und Sagittaron. Der antike Name ist Libra. Die Schutzgottheit ist Themis, Göttin der Rechtsprechung, der überlieferten Ordnung und der unbestechlichen Waage. Kaum eine Götterwahl in den Kolonien ist so präzise in ihrer Selbstbeschreibung. Libran ist buchstäblich die Kolonie der Waage. Die Waage als Symbol, als Institution, als Metapher, als Prinzip durchzieht die librische Gesellschaft in einer Dichte, die Außenstehende anfangs ermüdet und später respektiert. Wer auf Libran arbeiten will, muss mit der Waage leben können. Sie ist überall.
Einwohnerzahl: 2,8 Milliarden. Das ist weder klein noch groß nach kolonialen Maßstäben, und Libran zieht daraus eine eigentümliche Zufriedenheit. Mittelgroß zu sein, schützt vor den Aufmerksamkeiten, die Caprica und Canceron tragen müssen. Mittelgroß zu sein, erlaubt eine Funktionsweise, die auf einer kleineren Welt provinziell und auf einer größeren unübersichtlich würde. Libran ist die Kolonie, die nicht auffällt, und diese Unauffälligkeit ist eine ihrer Stärken, wenn man sie von innen betrachtet.

Die Waage und die Eiche
Das Symbol Librans ist die Waage auf einem Eichenblatt, beide in Silber auf einem tiefgrünen Grund. Die Waage hat ihre offensichtliche Bedeutung. Das Eichenblatt dagegen verweist auf die andere Seite Librans, die in den kolonialen Klischees seltener Erwähnung findet: die weiten Wälder, die einen erheblichen Teil der planetaren Landmasse bedecken. Ein Libraner, der seine Kolonie erklären will, zeigt auf die Waage, und wenn er Zeit hat, auch auf das Eichenblatt. Beide gehören zusammen, sagt er dann. Das Recht braucht den Wald, und der Wald braucht jemanden, der ihn nicht antastet. Wer weiß, warum das stimmt, weiß viel über Libran.

1.2 Themis, Aurelia und die verstreuten Sitze

Themis, die Hauptstadt
Themis, die Hauptstadt Librans, wurde nicht gewachsen, sondern geplant. Die Stadt entstand im 43. Jahrhundert kobolischer Zeitrechnung als administratives Zentrum der neu errichteten librischen Republik und wurde nach dem Vorbild einer idealen Gerichtsstadt entworfen. Die Anlage ist symmetrisch, die Straßen verlaufen im rechten Winkel, die zentralen Gebäude sind um den Platz der Verfassung gruppiert. Die Höchste Halle der Justiz, die das koloniale Berufungsgericht beherbergt, steht im Zentrum dieses Platzes; sie wird flankiert vom Parlamentsgebäude und von der Zentralbank. Die Gebäude sind aus hellem Stein errichtet, ihre Architektur ist klassisch, ihre Proportionen sind ernst. Wer in Themis die Straße entlanggeht, fühlt sich, so die stehende Formel der Besucher, wie in einem Gerichtsakt.
Die Stadt hat knapp eineinhalb Millionen Einwohner, was für die Hauptstadt einer Welt mit 1,4 Milliarden Bewohnern bescheiden ist. Libran hat sich entschieden, seine administrativen Zentren zu verteilen, statt eine einzige Megastadt zu züchten. Das Ergebnis ist eine Hauptstadt, in der man fast alle Bürokraten des Planeten kennt, ohne dass dies in einer kleinstädtischen Enge resultieren würde. Die Stadt ist funktional dimensioniert, und das merkt man ihr an.
Was Themis außerdem eigentümlich macht, ist der Waldgürtel, der die Innenstadt umschließt. Der grüne Ring, wie er offiziell heißt, ist ein zusammenhängender Urwald von erheblicher Größe, der in der Stadtplanung der Gründungszeit als Pufferzone zwischen Verwaltungszentrum und Wohnvororten angelegt wurde und der sich seither weitgehend selbst überlassen wurde. Im grünen Ring leben Bären, Luchse, Wölfe und eine Vielzahl anderer Tiere, die auf anderen Kolonien längst ausgerottet wären. Die Bären, die gelegentlich in den Vororten auftauchen und die Mülltonnen der Beamten durchsuchen, sind Gegenstand zahlreicher librischer Karikaturen, die auf Caprica keine Pointe haben. In Themis lacht man über sie jede Woche neu.

Aurelia und die Zweite Stadt
Aurelia an der Küste ist die zweitgrößte Stadt und das wirtschaftliche Herz der Kolonie. Während Themis die Verwaltung beherbergt, beherbergt Aurelia das Geld. Die librischen Banken, die eine besondere Rolle im kolonialen Finanzwesen spielen, haben ihre Hauptsitze hier. Der Hafen Aurelias ist einer der wichtigsten Handelshäfen des Systems Helios Gamma. Die Stadt ist belebter als Themis, vielgestaltiger, touristisch anziehender. Wer nach Libran reist, ohne Geschäfte vor Gericht zu haben, reist meist nach Aurelia.
Die übrigen bedeutenden Orte sind Vanus, ein Universitätszentrum im Binnenland, und Silvia, eine Industriestadt im Norden. Die kleineren Ortschaften, verteilt über Hauptkontinent und Inseln, fügen sich in ein Muster ein, das in Libran mit einer fast kartographischen Ordnung gepflegt wird. Jede Gemeinde hat ihre Funktion, ihre Stellung im Gemeindeverband, ihr Verhältnis zu den benachbarten Ortschaften. Wer in einem librischen Dorf neu ist, bekommt in der ersten Woche eine Broschüre des Gemeindeamtes, die diese Verhältnisse erklärt. Dies ist nicht pedantisch, sondern praktisch, sagen die Libraner. Wer weiß, wo er ist, kann besser leben.

1.3 Die librische Gesellschaft

Die Kunst der Mitte
Die librische Grundhaltung ist das Streben nach einem vernünftigen Mittelweg. Dies ist nicht bequem gemeint. Der librische Mittelweg ist oft das Ergebnis langer Abwägung, sorgfältiger Prüfung, wiederholter Korrektur. Extreme Positionen werden nicht aus Ängstlichkeit vermieden, sondern weil die librische Kultur die Erfahrung verankert hat, dass das Leben in den meisten Fragen komplexer ist als ihre zugespitzten Antworten. Wer zu schnell eine Seite wählt, wird auf Libran höflich angehört und nicht ernst genommen.
Diese kulturelle Grundhaltung hat ihre Vorteile und ihre Kosten. Sie hat Libran zu einer der stabilsten Gesellschaften der Kolonien gemacht. Kriminalität ist niedrig, Gewalt ist selten, politische Radikalisierung findet kaum statt, die Institutionen funktionieren. Gleichzeitig wird Libran in den anderen Kolonien gelegentlich als ermüdend beschrieben. Die literarische Kritik Capricas hat mehrfach den Begriff „librische Langweile“ geprägt, der einen Typus bezeichnet, dem alle Ecken fehlen, die man an einem Menschen zu schätzen gelernt hat. Die Libraner nehmen diese Kritik mit dem Humor auf, den man erwarten würde. Ein librischer Kabarettist hat vor einigen Jahren eine ganze Soloshow zum Thema bestritten, in der die Pointe jedes Witzes lautete, dass die Libraner die Langweile den Kriegen vorziehen, und dass diese Entscheidung verteidigungsfähig ist.

Die Höflichkeit und das Register
Die librische Höflichkeit ist präzise und abgestuft. Es gibt, je nach Situation, mindestens fünf Register der Anrede, die von Familiennähe über kollegiale Vertrautheit bis zu formeller Distanz reichen. Wer in Libran ein Gespräch beginnt, wählt zunächst das Register. Der falsche Anfang kann ein Gespräch auf Stunden schwer belasten, und Libraner, die in anderen Kolonien arbeiten, berichten von täglicher Sprachlosigkeit gegenüber der capricanischen Praxis, alle Menschen zunächst zu duzen und später zu korrigieren.
Die Etikette am Arbeitsplatz, in den Gerichten, in den Banken ist besonders streng. Libraner tragen dunkle Anzüge und gedeckte Kostüme mit einer Selbstverständlichkeit, die in anderen Kolonien als altmodisch gelten würde. Die Farben des librischen Alltags sind beige, grau, dunkelblau, schwarz, ein gedämpftes Grün, ein tiefes Weinrot. Helle, grelle, bunte Farben gelten als Signal der Unseriosität oder der Privatheit, und ein Libraner, der im Büro ein gelbes Hemd trägt, kommuniziert etwas Wichtiges, auch wenn er selbst es vielleicht nicht sagen kann.

Das zweite Gesicht
Was Außenstehende oft erst beim zweiten oder dritten Besuch bemerken, ist, dass die librische Seriosität ein gut gepflegtes Bühnenbild ist, hinter dem eine ganz andere Kultur lebendig bleibt. An den Wochenenden leert sich Themis. Die Libraner fahren ins Grüne, in die Berge, an die Seen, in die Wälder. Dort ziehen sie andere Kleidung an, sprechen in anderem Register, verhalten sich anders. Der librische Ausflug hat seine eigene Kultur: die Wanderausrüstung ist durchdacht, die Zeltlager sind gepflegt, das Feuer wird mit einer Sorgfalt angezündet, die im Büro die Aktenordner bekommen würde. Libraner kennen ihre Wälder, ihre Flüsse, ihre Bergrouten. Sie jagen, fischen, sammeln Pilze, klettern. An einem Freitagnachmittag in Themis trifft man auf der Straße Beamte mit Rucksäcken, die am Montag wieder ihre Anzüge tragen werden, und niemand findet das merkwürdig, weil jeder weiß, was der Rucksack bedeutet.
Dieser Dualismus ist eine der tragenden kulturellen Strukturen Librans. Man ist in der Woche der präzise Beamte, und man ist am Wochenende der Mensch, der seine Hände schmutzig macht. Beide Rollen sind echt, und keine verdrängt die andere. Die librische Selbstwahrnehmung kommt mit dieser Zweiteilung ohne Angstzustände aus. Wer nur die Anzüge sieht, kennt Libran nicht. Wer nur die Wanderstiefel sieht, kennt Libran auch nicht. Wer beides sieht und den Unterschied versteht, fängt an, Libran zu kennen.

1.4 Sprache und Akzent

Das Librische ist eine Sprache mit einer ausgeprägten juristischen Tradition. Ihre Präzision ist legendär, ihre Nuancen in den Rechtsberufen unverzichtbar. Ein librischer Text versucht, keine Zweideutigkeit zuzulassen, und wenn er eine Zweideutigkeit zulässt, tut er es bewusst. Diese Sprachkultur hat Libran zum zweitwichtigsten literarischen Produzenten juristischer Fachliteratur der Kolonien gemacht, hinter Caprica nur deshalb, weil dort das föderale Recht entwickelt wird.
Im Alltag sprechen die Libraner Capricanisch wie die meisten Kolonien, allerdings mit einem eigenen Akzent, der in den anderen Welten als leicht trocken wahrgenommen wird. Der librische Akzent gilt als vertrauenswürdig, weil er nicht zur Übertreibung neigt. Ein librischer Nachrichtensprecher kann schlechte Nachrichten verlesen, ohne dass die Zuschauer das Gefühl haben, unterhalten werden zu sollen. Diese Kompetenz wird in den interkolonialen Medien geschätzt und entsprechend genutzt.

1.5 Bildung und die Tradition der Juristen

Die Universität von Themis ist die älteste und renommierteste Hochschule Librans, berühmt in den Kolonien für ihre Rechtsfakultät, die als die beste des gesamten Föderationsraumes gilt. Wer koloniale Rechtskarriere machen will, hat hier mit größerer Wahrscheinlichkeit studiert als anderswo. Die Universität von Vanus hat einen anderen Schwerpunkt: Philosophie, Ökonomie, politische Wissenschaften. Die ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fakultäten Librans sind solide, ohne Weltrangniveau zu erreichen. Libran produziert keine Nobelpreisträger in den exakten Wissenschaften. Libran produziert Richter.
Die juristische Ausbildung ist lang, anspruchsvoll und sozial hochgeschätzt. Ein Libraner mit abgeschlossenem Jurastudium genießt in seiner Heimat denselben gesellschaftlichen Status, den auf Caprica ein erfolgreicher Unternehmer hätte. Ein Teil der librischen Identität beruht auf dieser Übereinstimmung von Bildung und Ansehen. Wer gut studiert hat, wird auch gesellschaftlich wahrgenommen, und wer erfolgreich ist, hat in der Regel gut studiert. Diese Korrelation ist nicht perfekt, aber sie ist stärker als in den meisten anderen Kolonien.

1.6 Wirtschaft und die librischen Banken

Die librische Wirtschaft ruht auf zwei Säulen: dem juristischen Dienstleistungssektor und dem Bankwesen. Libran ist das Finanzzentrum der Kolonien. Die Banken von Aurelia verwalten einen erheblichen Teil des kolonialen Vermögens, nicht zuletzt weil die librische Rechtsordnung und die librische Diskretion als die zuverlässigsten der Föderation gelten. Ein reicher Taurоner, der sein Vermögen nicht auf Tauron hinterlassen will, hinterlegt es auf Libran. Ein capricanischer Konzern, der eine internationale Holding strukturieren muss, tut es mit einer librischen Rechtsanwaltskanzlei. Ein leonischer Adliger, der über Generationen denken will, vertraut seine Familienstiftung einer librischen Bank an. Vor allem der First Colonial Bank, die ironischer Weise von einer leonischen Exil-Adeligen gegründet wurde und niemand mehr darüber spricht.
Diese Position hat Libran eine wirtschaftliche Macht verschafft, die größer ist, als die nackten Zahlen nahelegen. Die librische Volkswirtschaft ist nicht spektakulär produktiv; sie ist spektakulär wichtig. Wenn in den anderen Kolonien eine Krise ausbricht, wandert Kapital nach Libran. Wenn in den anderen Kolonien Stabilität herrscht, fließt Kapital zurück. Die librischen Banken sind der Takt der kolonialen Wirtschaft, und sie regulieren diesen Takt mit einer diskreten Zurückhaltung, die ihren Einfluss nicht verringert, sondern steigert.
Neben den Banken und den Rechtsfirmen existieren in Libran die traditionellen Gewerbe: Holzwirtschaft aus den Wäldern, Bergbau in den nördlichen Regionen, eine solide Landwirtschaft, ein kleiner, aber hochwertiger Tourismus in den Naturparks. Die librische Wirtschaft ist breit gefächert, nicht abhängig von einzelnen Branchen, und sie ist krisenresistent in einer Weise, die in capricanischen Wirtschaftsstudiengängen als Fallbeispiel gelehrt wird.

1.7 Sport, Kultur und die gepflegte Mitte

Libran hat ein Pyramid-Team, die Themis Falcons, das in der kolonialen Liga respektable Platzierungen erreicht, ohne je den Titel zu holen. Die Falcons stehen symbolisch für das librische Sportverständnis: solide, diszipliniert, ohne Exzesse. Die Fans gehen zu den Spielen in den traditionellen Teamfarben, applaudieren bei gelungenen Aktionen, buhen bei strittigen Schiedsrichterentscheidungen, gehen nach dem Spiel in die Kneipen am Stadion und reden über das, was sie gesehen haben. Hooliganismus ist unbekannt. Strafen gegen Spieler des eigenen Teams werden akzeptiert, wenn sie begründet sind. Schiedsrichter werden respektiert. Das alles ist den Fans anderer Kolonien seltsam und den Libranern selbstverständlich.
Die librische Kultur ist nicht weltberühmt, aber sie hat ihre Kreise gefunden. Die librische Klassik, geprägt von kammermusikalischen Formen und einer Vorliebe für das Streichquartett, hat ein treues Publikum in den musikalischen Elitekreisen der anderen Kolonien. Das librische Autorenkino produziert ernste, gut gearbeitete Filme, die in den kolonialen Festivals regelmäßig Preise gewinnen und in den kolonialen Kinos selten laufen. Die librische Literatur ist bekannt für ihre Kriminalromane, in denen nicht die Gewalt im Zentrum steht, sondern die geduldige Rekonstruktion des Falls. Ein librischer Kommissar löst seinen Mordfall nicht durch intuitive Geistesblitze, sondern durch Aktenstudium. Dass diese Romane auch außerhalb Librans ein Publikum finden, liegt an einer Qualität, die niemand genau benennen kann, und die etwas mit dem librischen Respekt vor der Komplexität der Wirklichkeit zu tun hat.

Kapitel 2: Klima und Geographie

2.1 Die grüne Welt

Libran ist eine gemäßigt-kühle Welt mit ausgedehnten Waldgebieten, mittleren Gebirgen, großen Binnenseen und einer langen, vielfältigen Küstenlinie. Das Klima ist vergleichbar mit dem Norden Capricas, aber mit einem höheren Anteil kontinentaler Züge und mit einer ausgeprägteren Herbst- und Winterphase. Die Jahreszeiten sind deutlich, die Übergänge langsam, die Extremwetter selten. Ein librischer Sommer ist warm, aber nicht heiß; ein librischer Winter ist kalt, aber selten feindselig. Dieses unaufgeregte Klima passt zur Kolonie.
Was Libran jedoch geographisch außergewöhnlich macht, ist der Anteil der Wälder an der bewohnten Landmasse. Mehr als die Hälfte der bewirtschafteten Fläche des Planeten ist mit Wald bedeckt. Diese Waldbestände sind alt, teilweise urwaldartig erhalten, und sie beherbergen eine Flora und Fauna, die auf den meisten anderen Kolonien längst ausgerottet oder domestiziert wäre. Bären, Wölfe, Luchse, Elche, Wildschweine, Adler, Falken: Libran hat diese Tiere in stabilen Populationen, und die librische Forstpolitik ist darauf ausgelegt, sie zu halten.

2.2 Die Regionen

Die Zentrale Hochebene
Die Zentrale Hochebene, auf der Themis und Vanus liegen, ist das administrative und akademische Kerngebiet Librans. Landschaftlich bietet sie eine Mischung aus sanft hügeligem Kulturland, ausgedehnten Wäldern und kleineren Flusstälern, in denen die ältesten librischen Ortschaften liegen. Das Klima der Hochebene ist gemäßigt, mit etwas kühleren Wintern und etwas kürzeren Sommern als an den Küsten. Die Architektur ist einheitlich, die Siedlungsstruktur regelmäßig, die Infrastruktur zuverlässig. Die Hochebene ist das beige Libran, das klischeehaft wahrgenommen wird.

Die Nördlichen Gebirge
Im Norden erhebt sich ein Gebirgszug, der die fruchtbaren Ebenen von den Tundren der höheren Breiten trennt. Die Gebirge beherbergen die librischen Bergbaugebiete, ausgedehnte Nadelwälder, klare Bergseen und eine Reihe traditionsreicher Kurorte, in denen die librische Oberschicht seit Generationen ihre Sommer verbringt. Die Bergregionen haben einen eigenen Tonfall: rauer, direkter, weniger formell als in Themis. Ein Bergbauer aus dem Nordgebirge begegnet einem Richter aus der Hauptstadt mit einer höflichen Unabhängigkeit, die in anderen Kolonien als Unverschämtheit durchgehen könnte und auf Libran als das gilt, was sie ist: die Unabhängigkeit dessen, der seinen Berg kennt.

Die Küsten und Aurelia
Die Küsten Librans sind lang, fjordartig zerklüftet im Norden, sanfter verlaufend im Süden. Aurelia liegt an einer besonders geschützten Bucht, die sich zu einem der wichtigsten kolonialen Handelshäfen entwickelt hat. Die Küstenregionen sind wirtschaftlich dynamischer als das Binnenland, kulturell offener, demographisch vielfältiger. Hier sind die Universitäten und Forschungseinrichtungen konzentriert, die nicht ausschließlich juristisch ausgerichtet sind. Hier leben die Libraner, deren Berufe sie mit den anderen Kolonien in Kontakt bringen: Diplomaten, Händler, Journalisten, Wissenschaftler.

Die Seenregionen und die Wälder
Das Innere des Hauptkontinents wird von ausgedehnten Wald- und Seengebieten geprägt, die in Teilen als Naturreservate ausgewiesen sind und in Teilen als Erholungsgebiete genutzt werden. Die Libraner kennen ihre Seen, ihre Flüsse, ihre Wälder mit einer Intimität, die anderen Kolonien verloren gegangen ist. Jedes Kind lernt in der Schule, welche Pilze essbar sind, wie man ein Feuer macht, wie man sich im Wald orientiert, wie man einen Bären erkennt und was man dann tut. Diese Kenntnisse gelten in Libran als Grundbildung, nicht als exotische Spezialisierung.

Der Süden und die Inseln
Der Süden des Hauptkontinents und die vorgelagerten Inseln sind wärmer, flacher, landwirtschaftlich geprägt. Hier wird ein nicht unerheblicher Teil der librischen Weine produziert, die in den gehobenen Restaurants Capricas und Leonis’ getrunken werden. Die Inseln haben ihre eigenen Traditionen, sind politisch moderat autonom und unterhalten ausgeprägte Beziehungen zu den benachbarten Kolonien im selben Sternensystem. Ein Fischer von der Südküste hat regelmäßig mehr mit einem Virgoner zu tun als mit einem Richter in Themis, was in der librischen Diskurskultur keine Entfremdung auslöst, sondern mit pragmatischer Selbstverständlichkeit zur Kenntnis genommen wird.

2.3 Die Architektur des Symmetrischen

Die librische Architektur der Hauptstadt ist klassizistisch geprägt. Die Gebäude sind symmetrisch, die Proportionen maßvoll, die Ornamente sparsam. Helle Sandsteine, gedeckte Ziegelsteine, dunkles Holz für die Fensterläden: die Farbpalette ist zurückhaltend, und die Anlagen der Verwaltungsbezirke folgen einem Raster, das im 43. Jahrhundert entworfen und seither im Wesentlichen beibehalten wurde. Wer an einem Abend durch die Straßen Themis’ geht, sieht eine Stadt, die weiß, wie sie aussehen soll.
Die ländliche Architektur Librans ist anders. Die Bauernhäuser sind massiv, aus Holz und Stein gebaut, mit tief heruntergezogenen Dächern gegen den Schnee und mit großen Vorratskammern für die Winterperioden. Die Dörfer haben einen Dorftempel, ein Gasthaus, ein Gemeindehaus und einen Friedhof, der in der Regel sehr sorgfältig gepflegt wird. Die librische Friedhofskultur ist ausgeprägt. Die Gräber sind geordnet, die Inschriften präzise, und die Nachpflege ist Familiensache. Wer einen librischen Friedhof sieht, sieht eine Gesellschaft, die ihre Vorfahren weder idealisiert noch vergisst.

Kapitel 3: Politik, Recht und die Rolle in der Föderation

3.1 Die parlamentarische Republik

Libran ist eine parlamentarische Republik mit einem Zweikammerparlament: einer direkt gewählten Volkskammer mit 450 Abgeordneten und einer indirekt aus den Provinzen entsandten Senatskammer mit 120 Mitgliedern. Der Premierminister wird von der Mehrheit der Volkskammer bestimmt, der Präsident, eine weitgehend zeremonielle Figur, wird vom Parlament gewählt. Die Institutionen funktionieren mit einer Zuverlässigkeit, die auf Libran als selbstverständlich gilt und in anderen Kolonien Neid auslöst.
Die politische Kultur ist sachlich. Parlamentsdebatten werden mit einem Ernst geführt, der in Caprica als trocken und in Libran als angemessen wahrgenommen wird. Emotionale Ausbrüche sind selten, persönliche Angriffe ungewöhnlich, die Sitzungen enden pünktlich. Diese Kultur produziert eine Politik, die langsam voranschreitet, aber selten revidiert werden muss. Die großen politischen Reformen der letzten Jahrzehnte wurden jeweils über mehrere Legislaturperioden vorbereitet, breit diskutiert und mit großen Mehrheiten beschlossen. Die Idee, eine wichtige Entscheidung im Affekt zu treffen, gilt in Libran als Zeichen schlechter Erziehung.

3.2 Das Recht und die Höchste Halle der Justiz

Die librische Rechtstradition reicht in die früheste koloniale Geschichte zurück. Das libirische Zivilrecht und Handelsrecht gelten als die am weitesten entwickelten Rechtssysteme der Föderation, und sie bilden die Grundlage vieler interkolonialer Verträge. Die Höchste Halle der Justiz in Themis ist das Berufungsgericht der Föderation. Ihre Urteile gelten in allen Kolonien und ihre Richter werden von der Föderation ernannt, sind aber in ihrer Mehrheit librische Juristen, weil der librische Ausbildungsweg am ehesten auf diese Arbeit vorbereitet. Dass die Höchste Halle auf Libran steht und nicht auf Caprica, ist eine der wenigen institutionellen Konzessionen, die Caprica seinen Partnern in der Föderation gemacht hat, und sie wurde nicht aus Großzügigkeit gemacht, sondern aus Vernunft. Ein Gericht über alle Kolonien braucht einen Standort, der selbst möglichst neutral ist, und Libran erfüllt dieses Kriterium.
Der Status der Höchsten Halle hat Libran zu einem Anziehungspunkt für koloniale Rechtsstreitigkeiten gemacht, die die lokalen Gerichtsbarkeiten übersteigen. Konzernstreitigkeiten, Erbfälle, die mehrere Kolonien betreffen, kolonialübergreifende Arbeitsrechtsfragen, Schiedsverfahren zwischen Regierungen: all das findet seinen Weg nach Themis. Die librische Anwaltschaft hat sich auf diese Arbeit spezialisiert und hält eine Expertise bereit, die anderswo nicht in gleicher Tiefe existiert. Ein librischer Anwalt, der auf interkoloniales Recht spezialisiert ist, erzielt Honorare, die die anderer Kolonien deutlich übersteigen, und er verdient sie in der Regel.

3.3 Die Banken und die Macht der Diskretion

Die librischen Banken nehmen in der kolonialen Wirtschaft eine Rolle ein, die formal der der Banken anderer Kolonien entspricht und die faktisch eine besondere ist. Das librische Bankwesen ist alt, konservativ und mit einer Diskretion ausgestattet, die in der Föderation gleichzeitig respektiert und misstrauisch beäugt wird. Die librischen Banken verwalten das Geld von Konzernen, die auf mehreren Kolonien operieren, von Familien, die ihre Vermögen über Generationen erhalten wollen, und von Regierungen, die Reserven in einer stabilen Währung halten müssen. Diese Funktion verleiht Libran einen Einfluss in den wirtschaftlichen Entscheidungen der anderen Kolonien, der selten ausgesprochen, aber immer spürbar ist.
Die koloniale Aufsichtsgesetzgebung hat wiederholt versucht, die librische Bankaufsicht zu harmonisieren, und ist regelmäßig an der Schwierigkeit gescheitert, dass die Libraner ihre Institutionen genau so gestalten, wie sie nützen, und nicht so, wie sie die anderen Kolonien wünschen würden. Diese Haltung ist nicht arrogant. Sie ist pragmatisch. Libran ist klein genug, dass es keine anderen nennenswerten Wirtschaftszweige hat, die es verteidigen müsste; es ist groß genug, um seine spezialisierten Dienstleistungen mit Selbstbewusstsein anzubieten. Die anderen Kolonien kommen, weil sie müssen.

3.4 Die stille Macht der Neutralität

Librans Stellung in der Föderation ist die einer neutralen Schiedsrichterin. Die librische Delegation im Quorum der Zwölf gilt als ausgewogen, zuverlässig, berechenbar. Sie pflegt keine festen Allianzen, sondern unterstützt Vorschläge nach ihrer juristischen und sachlichen Qualität. Diese Unabhängigkeit hat Libran zu einem bevorzugten Vermittler in kolonialen Konflikten gemacht. Wenn Caprica und Tauron sich nicht einig werden, ist oft eine librische Delegation im Raum, die einen Kompromissvorschlag unterbreitet. Wenn Leonis und Virgon in einer Handelsstreitigkeit liegen, wird gelegentlich ein librisches Schiedsgericht angerufen.
Diese Neutralität ist nicht Desinteresse. Libran verfolgt eigene Interessen, aber diese Interessen liegen weitgehend in der Erhaltung eines funktionierenden kolonialen Systems, in dem librisches Recht, librische Banken und librische Diplomatie ihre Rolle spielen können. Ein destabilisiertes koloniales System wäre schlecht für Libran. Eine schwache Föderation wäre schlecht für Libran. Eine dominante Einzelmacht wäre schlecht für Libran. Die librische Außenpolitik ist auf Gleichgewicht gerichtet, und sie setzt ihre Mittel für dieses Gleichgewicht ein. Wer die librische Stille für Passivität hält, verkennt, dass die Bilanzen der kolonialen Machtverhältnisse von Themis aus mitgelesen werden.

Kapitel 4: Die Geschichte Librans

4.1 Die frühe Zeit (2850–3500)

Die Überlieferungen berichten, dass der Stamm der Waage nach dem Exodus von Kobol jene gemäßigte, waldreiche Welt erreichte, die später seinen Namen tragen sollte. Die Besiedlung verlief langsam. Das Klima war freundlich, die Böden fruchtbar, die Wälder boten Holz und Wild. Die ersten Siedlungen entstanden in den Flusstälern der Zentralen Hochebene, weiteten sich allmählich aus und bildeten schon in den ersten Jahrhunderten eine Gesellschaft, die den Wert verlässlicher Übereinkünfte höher schätzte als den Wert heroischer Individualleistungen.
Aus dieser frühen Zeit stammen die ältesten librischen Rechtstexte, die bis heute in der librischen Rechtskultur eine Rolle spielen. Sie behandeln Grenzstreitigkeiten zwischen Dörfern, Erbschaftsfragen, die Regelung von Schulden und die Wahl von Schiedsrichtern. Die frühesten Schiedsgerichte Librans tagten im Freien, unter einer alten Eiche, an einem festen Tag im Jahr. Die Eiche als Symbol der librischen Rechtsprechung geht auf diese Tradition zurück, und die Höchste Halle der Justiz in Themis trägt im Innenhof eine alte Eiche, die zwar nicht die ursprüngliche ist, aber in direkter Nachfolge aus jener Tradition steht.

4.2 Das Virgon-Protektorat (3500–4000)

In der Expansionsphase des virgonischen Imperiums fiel Libran unter virgonische Herrschaft. Die Besatzung war mild. Libran hatte keine bedeutenden Rohstoffe, die Virgon hätte ausbeuten wollen, und die librische Bevölkerung widersetzte sich der Herrschaft nicht offen, sondern unterlief sie durch pragmatische Kooperation. Die virgonischen Gouverneure richteten ihre Residenzen in den Küstenstädten ein und ließen die librischen Gemeinden weitgehend nach eigenen Regeln leben. Was die librische Gesellschaft in dieser Epoche lernte, war die Kunst, mit einer fremden Verwaltungsinstanz so zu arbeiten, dass die eigenen Anliegen dennoch verfolgt werden können. Diese Kompetenz ist bis heute Teil der librischen Kultur.
Als das virgonische Imperium zerfiel, löste sich Libran mit einer für die betroffene Epoche ungewöhnlichen Ruhe aus der Abhängigkeit. Die Verhandlungen dauerten mehrere Jahrzehnte, verliefen ohne Krieg und endeten mit einem Vertrag, der die bestehenden Strukturen formell von virgonischer in librische Hand überführte. Bis heute wird dieser Vorgang in den librischen Schulen als Gründungsakt der modernen Republik gelehrt, und er wird als Beispiel dafür angeführt, dass Unabhängigkeit auch verhandelbar ist.

4.3 Die Gründung der Republik (4000–4300)

Die Jahrhunderte nach der virgonischen Ära waren für Libran eine Zeit der Konsolidierung. Die alten Dorfstrukturen wurden in eine parlamentarische Ordnung überführt, die ersten Universitäten wurden gegründet, das juristische System wurde systematisiert. Themis wurde im 43. Jahrhundert als neue Hauptstadt angelegt, weil die vorhandenen Städte entweder zu klein oder zu regional geprägt waren, um das neu zu schaffende administrative Zentrum zu beherbergen. Die Anlage der Stadt war ein Statement: sie war rational geplant, symmetrisch gebaut, funktional dimensioniert. In dieser Epoche entstanden auch die ersten librischen Banken und die ersten international tätigen librischen Rechtsfirmen. Die Kolonie erkannte früh, dass sie ökonomisch weder mit Caprica noch mit Canceron konkurrieren konnte und dass ihre Zukunft in spezialisierten Dienstleistungen liegen würde. Diese strategische Entscheidung hat die librische Wirtschaft bis heute geprägt und ihr ermöglicht, eine stabile Mittelposition zu halten, die in den Schwankungen der kolonialen Konjunktur widerstandsfähig blieb.

4.4 Die Moderne und der Erste Cylonenkrieg (4300–4805)

Die industrielle Revolution erreichte Libran später als die meisten anderen Kolonien, und sie wurde mit einer Vorsicht umgesetzt, die verhinderte, dass sie die traditionellen Strukturen überrollte. Die librische Modernisierung war sorgfältig, schrittweise, rechtlich begleitet. Neue Branchen entstanden, ohne dass alte verschwanden. Die Bevölkerung wuchs, ohne dass die städtebauliche Ordnung kollabierte. Die Umweltbelastungen, die in anderen Kolonien erhebliche Landschaftsräume zerstörten, wurden in Libran durch frühe Umweltgesetze begrenzt.
Der Erste Cylonenkrieg traf Libran weniger hart als die industriellen Zentren der übrigen Kolonien. Die librischen Städte waren kleiner, die militärisch-industriellen Ziele begrenzter, die strategische Bedeutung der Kolonie aus zylonischer Sicht geringer. Dennoch fielen auch librische Soldaten, und die Kriegsdenkmäler in den librischen Dörfern tragen lange Listen. Die Rekonstruktion nach dem Krieg verlief wie alles auf Libran: geordnet, gründlich, in angemessener Zeit. Die Kolonisationsartikel wurden mit sachlicher Zustimmung unterzeichnet. Libran sah in der Föderation eine natürliche Erweiterung seiner eigenen Kultur des geregelten Zusammenlebens, und es nahm die Rolle an, die ihm zugedacht war: Sitz der Höchsten Halle der Justiz, Vermittler in kolonialen Streitfragen, Bankier der Föderation.

4.5 Die letzten Jahrzehnte (4805–4856)

Die Jahrzehnte bis zum zweiten Angriff waren die produktivsten in der librischen Geschichte. Die Kolonie festigte ihre Rolle in der Föderation, die librischen Banken expandierten in alle anderen Kolonien, die Höchste Halle der Justiz entwickelte sich zu einer hochangesehenen Institution. Die librische Lebensqualität erreichte in diesen Jahrzehnten eines der höchsten Niveaus der Kolonien, ohne dass Libran jemals in den Ruf kam, dekadent zu sein. Man lebte gut, man arbeitete gut, man kultivierte seine Wälder, man führte seine Akten. Die politische Landschaft war stabil, die großen Debatten führten zu reformerischen Kompromissen, die alternative Bewegungen weitgehend integrierten. Eine kleine, aber wachsende Bewegung kritisierte in den letzten Jahren die librische Gewohnheit, sich aus den politischen Grundsatzfragen der Föderation herauszuhalten. Die Kritiker argumentierten, dass Neutralität eine Form des Wegsehens sein kann, und dass Libran mit seiner wirtschaftlichen und juristischen Macht eine Verantwortung trage, die mit der bisherigen Zurückhaltung nicht ausreichend wahrgenommen werde. Die Debatte wurde, wie alles in Libran, vornehm geführt, und sie war noch nicht entschieden, als der Angriff kam.

Epilog: Das Ende (4856)
Am 276. Tag des Jahres 4856 traf der cylonische Angriff auch Libran. Themis wurde in den ersten Stunden bombardiert, die Höchste Halle der Justiz in einer der ersten Angriffswellen zerstört. Aurelia folgte wenig später, die kleineren Städte und Industrieanlagen in den Tagen danach. Die Wälder brannten. Die Bären flohen, soweit sie flohen konnten, und starben später, wo sie standen. Die Zahl der Toten war hoch, in absoluten Zahlen geringer als auf den Kolonien mit höherer Bevölkerungsdichte, in relativen Zahlen verheerend.
Unter den Überlebenden der Flotte sind Libraner vertreten, überproportional jene, die zum Zeitpunkt des Angriffs in anderen Kolonien im Auftrag ihrer Banken, Kanzleien oder Gerichte unterwegs waren. Die librische Diaspora in den übrigen Kolonien war groß, weil librische Dienstleistungen überall gefragt waren, und diese Diaspora lieferte einen nicht unerheblichen Teil der geretteten Libraner. Die Flottenrichter, die Flottenjuristen, die Flottenverwalter sind überproportional librisch, und diese Tatsache hat in der Flotte politisches Gewicht bekommen, das in den langwierigen Verhandlungen um die Strukturen des neuen Zusammenlebens spürbar wird.
Was die Libraner in die Flotte mitbringen, ist das, was sie immer gepflegt haben: die Gewohnheit, Regeln aufzuschreiben, bevor sie angewandt werden. Die librische Stimme in der Flottenverwaltung ist leise, hartnäckig und sorgfältig. Wo die capricanischen Delegierten über Prinzipien streiten, legen die Libraner Protokolle vor. Wo die tauronischen über Ehre diskutieren, schreiben die Libraner Paragraphen. Dies wirkt pedantisch und ist eine Form des Überlebens. Eine Flotte ohne Verwaltung stirbt schneller als eine Flotte ohne Ehre.
Zwischen den Routinen der Flottenverwaltung nehmen sich die librischen Überlebenden manchmal Stunden, in denen sie in den Frachträumen, wo Kartons und Kisten gestapelt sind, langsam herumgehen, als wären sie in einem Wald. Sie reden dabei wenig. Sie hören. Sie sehen nichts, was wie ein Wald aussieht. Aber sie kennen die Bewegung, die die Stille gegen die eigenen Schritte aufbringt, und sie erkennen, dass sie noch dieselben Menschen sind, die am Wochenende ihre Rucksäcke packten. Dass es keine Wälder mehr gibt, in die man sie packen könnte, ist eine der vielen Tatsachen, mit denen jeder in der Flotte leben muss. Die Libraner leben mit ihr auf ihre Weise: höflich, genau, und mit der leisen Hoffnung, dass irgendwo auf dem Weg, den die Flotte sucht, eine neue Welt mit Bäumen wartet.

5. Irdische Entsprechung

Farbe: Lindgrün │ Dominantes Merkmal: Waage, Justiz

Kurzversion:
Libran ist die Kolonie, die niemand liebt und alle brauchen. Hier sitzen die Banken, die Gerichte und die Bürokratie, die das interkoloniale System zusammenhält. Die Landschaft ist überraschend wild — Dschungel, Sümpfe, Naturparks — aber die Kultur ist so beige wie ein Aktendeckel. Wer Libran beschreiben soll, fängt meistens bei den Institutionen an, weil sonst nicht viel übrig bleibt. Zumindest behaupten das die anderen.

Ausführliche Notizen:
Die Schweiz ist der Kern: politische Neutralität, Bankenwesen, der Oberste Gerichtshof Librans als Pendant zum Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Dazu kommt eine Bürokratiekultur, die so durchdringend ist, dass sie zur Identität wird — Librans gelten als Leute „ohne persönliche Eigenschaften“ (was aus kulturwissenschaftlicher Sicht natürlich Unsinn ist, aber als Klischee funktioniert). Die Alpenregionen Europas liefern die Landschaft für die besiedelten Gebiete: ein gewisser gepflegter Traditionalismus, norditalienische Täler, Spießigkeit als Lebensform. Das italienische Bankensystem ergänzt das Schweizer — weniger sauber, mehr Verstrickung. Die Naturparks und Wildnisgebiete dagegen sind eher australischer Dschungel: unwegsam, gefährlich, und historisch als Gefangenenkolonie genutzt — Librans dunkle Seite unter der bürokratischen Oberfläche. Inseln, Sümpfe und Mangroven runden das Bild ab. Der Witz an Libran ist der Widerspruch: die wildeste Natur der Kolonien, verwaltet von den langweiligsten Menschen der Kolonien.

Inspiration:
Schweizer Bankenthriller, Kafkas Der Process (für die Bürokratie als Labyrinth), australische Outback-Filme für die Naturparks.

6. Charaktere von Libran


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Siehe auch: Reiseführer Libran

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