Benutzer-Werkzeuge

Picon

Picon
Antiker Name:?:
Alternativer Name/
SchutzgottPoseidon
Motto„While the sea lasts, so shall Picon.“
Nationalhymne:?:
Nationalfeiertag:?:
SystemHelios Alpha
Einwohnerzahl4.912.482.000
HauptstadtQueenstown
StaatsformDemokratie
Wichtige StädteQueenstwon, Perkinston, Pailyn
SehenswürdigkeitenFlottenhauptquartier, Penrose Harbor

Kapitel 1: Eine zeitgenössische Betrachtung

1.1 Die astronomischen und symbolischen Grundlagen

Die Fische und das Meer
Picon liegt im System Helios Alpha, gemeinsam mit Caprica, Gemenon und Tauron. Der antike Name ist Pisces. Die Schutzgottheit ist Poseidon, Herr des Meeres, der Stürme und jener seltsamen Ruhe, die nach den Stürmen kommt. Die Wahl Poseidons als Schutzgott war keine Symbolik, sondern eine Beschreibung: Picon ist eine Welt, deren bewohnte Fläche von Meer umschlossen wird, deren Städte an Küsten liegen, deren Wirtschaft aus dem Wasser lebt. Was auf anderen Welten Metapher ist, ist auf Picon Infrastruktur.
Einwohnerzahl: 1,4 Milliarden. Das ist weniger als Caprica, mehr als Aerilon, und genau so viel, wie Picon für eine auskömmliche Gesellschaft hält.

Die zwei Fische
Das inoffizielle Symbol Picons sind zwei stilisierte Fische, die einander umkreisen, ein altes Zeichen für Balance. Die Piconer haben dieses Zeichen nicht gewählt, weil es ausgleichsliebend klingt, sondern weil es präzise beschreibt, wie ihre Gesellschaft funktioniert: zwei Dinge, die in Bewegung bleiben und einander nicht aus den Augen lassen. Die offizielle Flagge ist formaler und komplexer, aber auf den T-Shirts der Touristen und den Kaffeetassen der Piconer selbst sind es die zwei Fische.

1.2 Queenstown und Perkinston

Queenstown, die Hauptstadt
Queenstown begann als Fischerdorf am Penrose Harbor und ist im Kern noch immer eines, wenn auch mit funktionierender Demokratie, Straßenbahn und dem Hauptquartier der Colonial Forces am Rand der Stadt. Die alten Hafenspeicher sind heute Wohnlofts und Restaurants, die neuen Hafenanlagen liegen zwei Bezirke weiter, und dazwischen findet sich jene Mischung aus Werften, Marktständen und schattigen Straßencafés, die der Stadt den Ruf eingebracht hat, sie sei die „menschlichste Hauptstadt der Kolonien“. Piconer sagen das nicht selbst, aber sie widersprechen auch nicht, wenn es gesagt wird.
Queenstown ist klein genug, dass man die Stadt zu Fuß kennenlernen kann, und groß genug, dass es dafür ein paar Wochen dauert. Die Skyline wird vom Parlamentsgebäude und einem halben Dutzend älterer Seefahrertempel dominiert, nicht von Türmen. Wer Caprica City gewohnt ist, findet Queenstown bescheiden. Wer Gaoth gewohnt ist, findet Queenstown verschwenderisch. Die Piconer finden Queenstown richtig.
Der Penrose Harbor selbst ist Wahrzeichen und Arbeitsplatz in einem. Am Morgen legen die Fischerboote ab, am Abend kommen sie zurück, und dazwischen liegen Fährschiffe, Yachten, koloniale Patrouillenboote und gelegentlich ein Kreuzfahrtschiff aus Leonis, dessen Passagiere erstaunt feststellen, dass hier noch tatsächlich gearbeitet wird.

Perkinston, die Industriestadt
Perkinston an der Nordküste ist das wirtschaftliche Rückgrat des Planeten. Hier stehen die großen Werften, die Fischverarbeitungsbetriebe, die Stahlwerke, die Maschinenbauhallen. Die Stadt ist lauter als Queenstown, nüchterner, weniger auf Besucher eingerichtet. Sie hat ihren eigenen Akzent, ihre eigenen Kneipen und eine gewisse stolze Abneigung gegen die Hauptstadt, die von den Hauptstädtern amüsiert zur Kenntnis genommen und bei Gelegenheit erwidert wird. In der politischen Kultur Picons ist Perkinston das Korrektiv: wenn Queenstown eine Idee hat, prüft Perkinston, ob sie finanzierbar ist.

Pailyn und die kleineren Städte
Pailyn an der Südküste ist die dritte bedeutende Stadt, traditionell das Zentrum der Handelsmarine und, in den letzten Jahrzehnten, ein Zentrum der kolonialen Filmproduktion. Das liegt weniger an den landschaftlichen Reizen, die unbestreitbar sind, als an den piconischen Steuervergünstigungen für Filmschaffende, die so großzügig ausfielen, dass capricanische Studios sich angewöhnt haben, Pailyn als Caprica zu filmen. Wer eine Straßenkreuzung in einer Serie sieht, die wie Caprica City aussieht, sieht mit hoher Wahrscheinlichkeit Pailyn. Die Piconer finden das lustig. Wer in Pailyn wohnt, hat gelernt, dass die Absperrungen für Dreharbeiten zum Alltag gehören, und begrüßt die Statistenhonorare.

1.3 Die piconische Gesellschaft

Das Maß der Dinge
Die Piconer sind, so die stehende Formel der anderen Kolonien, das Kanada der Zwölf Welten: kompetent, zuverlässig, chronisch unterschätzt. Die Formel trifft zu und wird von den Piconern mit einer Mischung aus höflicher Zustimmung und stiller Erheiterung aufgenommen. Wer unterschätzt wird, bekommt Ruhe, und Ruhe ist in der piconischen Werteordnung ein hohes Gut.
Die Grundhaltung ist pragmatisch. Probleme werden gelöst, nicht zerredet; Feste werden gefeiert, nicht inszeniert; Meinungsverschiedenheiten werden in einem Tonfall ausgetragen, der auf Caprica als unterkühlt und auf Tauron als unverständlich gelten würde. Piconer glauben an die Kraft der leisen Stimme, des pünktlichen Handwerks und des Bieres zur rechten Zeit. Philosophische Systeme beeindrucken sie mäßig. Wer ihnen eine verkauft, wird höflich angehört und nicht wieder eingeladen.

„Das bessere Caprica“
Unter den Piconern zirkuliert seit Jahrzehnten die Selbstbeschreibung, Picon sei das bessere Caprica. Der Satz wird meist mit einem halben Lächeln gesagt, manchmal nach dem zweiten Bier, nie in Anwesenheit von Capricanern. Er enthält einen sachlichen Kern und eine selbstironische Pointe, und die Piconer wissen beides. Der sachliche Kern: Picon hat eine funktionierende Demokratie, hohe Lebensqualität, niedrige Kriminalität, ein stabiles Gesundheitswesen und eine Bildungsinfrastruktur, die ohne das ewige Ranking-Gezänk auskommt. Die Pointe: Dass ausgerechnet die Piconer sich mit Caprica vergleichen, obwohl sie doch behaupten, den Vergleich nicht nötig zu haben, ist komisch, und sie wissen es.
In den letzten Jahren ist der Satz seltener geworden. Dass Caprica innenpolitisch Risse zeigt, hat die piconische Schadenfreude moderiert. Man sagt jetzt öfter: „Das andere Caprica“. Die Pointe ist dieselbe, das Mitgefühl anders.

Die Gastfreundschaft
Fremde werden auf Picon mit einer Freundlichkeit empfangen, die keine Anbiederung ist. Man grüßt, man weist den Weg, man lädt gelegentlich zum Essen ein. Was sich nicht einstellt, ist die sofortige Vertraulichkeit, die auf Canceron üblich und auf Caprica erwartet ist. Der piconische Umgang mit Gästen ist, wie fast alles Piconische, eine Frage des Maßes. Zu viel Distanz wäre unfreundlich, zu wenig unseriös.

1.4 Sprache und Akzent

Piconer sprechen Capricanisch, aber mit einem Akzent, den sie selbst als „rund“ beschreiben und den die anderen Kolonien als leicht melodisch wahrnehmen. In den Medien der Kolonien galt der piconische Akzent lange als Signal für Glaubwürdigkeit; Wettermoderatoren und Dokumentarfilmsprecher kamen überproportional von Picon. Wer eine Nachricht glaubhaft machen wollte, ließ sie von einem Piconer lesen. Diese Zuschreibung hatte wirtschaftliche Folgen: die piconischen Sprecherschulen bildeten eine eigene Exportindustrie aus.
Neben dem Capricanischen pflegen die Piconer einige regionale Dialekte, von denen der Perkinstoner der ausgeprägteste ist. Ein Perkinstoner, der ins Gespräch kommt, wird von Fremden im ersten Moment nicht vollständig verstanden, was ihm regelmäßig eine kleine Genugtuung bereitet.

1.5 Bildung und Militärakademie

Die zivile Bildung
Die piconischen Universitäten sind unaufgeregt hochrangig. Sie erscheinen selten in den ersten Plätzen kolonialer Rankings, aber sie verlieren auch selten Absolventen an die Arbeitslosigkeit. Die Ingenieurwissenschaften in Queenstown und Perkinston, die medizinischen Fakultäten in Pailyn und die Seefahrtsschule am Penrose Harbor bilden das Rückgrat der höheren Bildung. Was dort gelehrt wird, wird auch gebraucht. Diese Übereinstimmung von Ausbildung und Bedarf gilt auf Caprica als unelegant und auf Picon als selbstverständlich.

Die Militärakademie
Die Colonial Forces Military Academy in Northpeak ist die wichtigste Offiziersschule der Kolonien. Sie unterhält eine diskret gepflegte Rivalität mit der leonischen Highpoint Military Academy. Wo Highpoint die Philosophie des Krieges lehrt, lehrt Northpeak die Praxis. Ein piconisch ausgebildeter Offizier weiß, wie ein Schiff fährt, wie eine Maschine repariert wird, wie eine Mannschaft geführt wird, und hat eine Ahnung davon, warum. Ein leonisch ausgebildeter Offizier weiß mehr über das Warum und weniger über die Maschine. Im Ernstfall, so die Northpoint-Binnensicht, haben die eigenen Absolventen den Vorteil. Die leonische Gegenposition lautet, der Ernstfall sei selten der ganze Fall.
Nach dem Ersten Cylonenkrieg wurde die Akademie so weit vergrößert, dass sie heute auch einen erheblichen Teil der Unteroffiziersausbildung mit trägt. Dass die Kolonien ihre Flotte auf Picon ausbilden, ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer jahrhundertealten Arbeitsteilung: Picon baut Schiffe, Picon bemannt Schiffe, Picon führt Schiffe. Die anderen Kolonien stellen die Politiker, die darüber entscheiden, was mit den Schiffen geschieht. Diese Arbeitsteilung wurde gelegentlich in Frage gestellt, aber nie abgeschafft.

1.6 Wirtschaft und Werften

Wenn Leonis Luxusyachten baut und Caprica Frachter, dann baut Picon Kriegsschiffe. Die großen Werften des Planeten, von denen die Scorpia Shipyards zwar eine andere Kolonie tragen, aber dennoch in piconischer Tradition stehen, sind das industrielle Rückgrat der Colonial Fleet. Die Battlestars der Mercury-Klasse, die Destroyer der Valkyrie-Klasse, die Defender, die Gunstars: all das kam und kommt von piconischen Zeichenbrettern und aus piconischen Docks. Die Tatsache, dass das Flottenhauptquartier auf Picon steht, ist die politische Konsequenz dieser industriellen Realität, nicht ihr Grund.
Jenseits der Werften ist die piconische Wirtschaft breit aufgestellt und nirgends spitz ausgeprägt. Fischerei, Handelsmarine, Fischverarbeitung, mittelständisches Maschinenbauwesen, Präzisionsinstrumente. Die Piconer exportieren solide Produkte zu fairen Preisen, und sie exportieren Handwerk: Trommeln, Flöten, handgegerbte Pelze, lokales Bier, das auf anderen Kolonien fast die Hälfte mehr kostet als vor Ort. Die capricanischen Touristen kaufen in den Manufakturen von Queenstown gerne ein und wundern sich, dass es ihre Handwerker auf Caprica nicht mehr gibt. Die Piconer wundern sich darüber nicht.

1.7 Das piconische Boxen und andere Eigenheiten

Das piconische Boxen ist ein Sport, dessen Regeln auf den ersten Blick schlicht erscheinen und auf den zweiten aufwendig sind. Beide Kämpfer tragen in der freien Hand einen vollen Krug Bier. Der Kampf dauert, bis einer der beiden zu Boden geht. Verschüttet einer der Kämpfer sein Bier, ist der Kampf verloren, auch wenn er ansonsten siegt. Diese Regel hat das piconische Boxen zu dem gemacht, was es ist: nicht zu einer Prügelei, sondern zu einer Übung in Gleichgewicht, Konzentration und Humor.
Daneben spielt sich das piconische Leben an den Küsten und auf dem Wasser ab. Segelregatten sind die wichtigsten Sportereignisse nach Pyramid; die Picon Panthers, das kolonienweit bekannteste Pyramid-Team des Planeten, spielen in Queenstown und tragen die Farben des Meeres, ohne dass daraus je etwas Marketinghaftes geworden wäre. Die piconische Küche ist, wie die piconische Gesellschaft, präzise und unaufgeregt. Fisch, frisch, möglichst wenig bearbeitet. Meeresfrüchte in Variationen, die auf anderen Welten als puritanisch gelten und auf Picon als die einzige vernünftige Zubereitungsart. Wer dem Fisch nichts abgewinnen kann, findet auf jeder Speisekarte einen gemenesischen Teil, und das ist keine Verlegenheitslösung, sondern Ausdruck der piconischen Grundregel, dass jeder Gast satt werden soll.

Kapitel 2: Klima und Geographie

2.1 Eine Welt am Wasser

Picon ist eine Welt, auf der kein Ort mehr als hundert Kilometer vom nächsten Meer entfernt liegt. Die Hauptlandmasse gliedert sich in mehrere größere Inseln und einen zusammenhängenden Hauptkontinent, der selbst von tief eingeschnittenen Buchten durchzogen wird. Wer auf einer piconischen Karte den Finger auf einen beliebigen Punkt setzt, findet in Reichweite eine Küste. Diese Geographie hat die piconische Gesellschaft formatiert wie kein anderer Faktor.
Die Meere sind kalt und produktiv. Die Fischbestände, ordentlich bewirtschaftet seit Jahrhunderten, gelten als die reichsten der Kolonien. Die Strömungen sind berechenbar, die Gezeiten regelmäßig, die Stürme heftig, aber saisonal gebunden. Piconische Seeleute fahren in einer See, die sie kennen. Wer auf piconischen Booten anheuert, erwartet, dass er weiß, wohin er fährt.

2.2 Klima und Jahreszeiten

Picon ist generell kühler, grüner und bewölkter als Caprica. Die Winter sind lang und feucht, die Sommer kurz und angenehm warm. Dazwischen liegen zwei ausgeprägte Übergangsjahreszeiten, die auf Picon mit mehr Liebe behandelt werden als der Sommer, den man kurz und heftig genießt, und der Winter, den man in der Familie verbringt. Regen gehört zum Alltag. Wer ohne Regenschirm aus dem Haus geht, gilt als Tourist oder als Optimist, wobei die Piconer zwischen beidem nur selten unterscheiden. In den Küstenstädten sind die Winde scharf und beständig; in den Bergregionen des Nordens fällt Schnee in Mengen, die die dortigen Skigebiete mit den leonischen Alpen konkurrieren lässt, ohne dass die Piconer sich die Mühe machen, dafür Werbung zu schalten.

2.3 Die Regionen

Die Ostküste und Queenstown
Die Ostküste ist das kulturelle und politische Herz Picons. Milderes Klima, geschütztere Buchten, ältere Städte. Queenstown liegt hier, ebenso die meisten älteren Universitäten, die Parlamentsinseln und die traditionellen Fischerdörfer, die heute als Wochenendziele dienen. Das Landschaftsbild ist bewegt: grüne Hügel, die in Klippen abfallen, und dahinter das Meer.

Die Nordküste und Perkinston
Die Nordküste ist rauer. Hier liegen die großen Werften, die Hafenstädte, die industrielle Basis des Planeten. Das Klima ist kühler, die Winde schärfer, die Menschen, so sagt man in Queenstown, ein wenig direkter. Perkinston ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Region, eine Stadt, in der das Eisen und das Salz gleichermaßen zu Hause sind.

Die Südküste und Pailyn
Die Südküste ist sonniger und landschaftlich malerisch. Hier liegen die Villen, die Ferienressorts und die Filmstudios. Pailyn ist die dominierende Stadt. Der milde Südsommer zieht jedes Jahr einen nicht unerheblichen Teil der kolonialen Oberschicht an, die hier jene piconische Zurückhaltung schätzt, die es ihnen ermöglicht, nicht beobachtet zu werden. Die Piconer haben dafür eine eigene Etikette entwickelt: sie erkennen Prominente, sprechen sie nicht an und respektieren ihren Urlaub.

Die Bergregionen und das Binnenland
Das Binnenland ist bergig, bewaldet und dünn besiedelt. Hier liegen die Forstwirtschaft, der Bergbau und jene kleinen Ortschaften, in denen die alten piconischen Traditionen am stärksten überlebt haben. Die Bergregionen gelten als Refugium, nicht als Randlage. Wer eine Pause von der Küste braucht, fährt ins Gebirge. Wer aus dem Gebirge kommt, trägt das mit einer gewissen unausgesprochenen Würde.

2.4 Die Architektur des Praktischen

Piconische Häuser sind für das Klima gebaut, nicht gegen es. Die Dächer sind steil, um den Regen schnell abzuleiten, die Fenster kleiner als auf Caprica, aber zahlreicher, die Fassaden aus wetterfesten Hölzern oder dunklem Ziegel. In den Hafenstädten dominiert eine schlichte, ernste Seefahrer-Klassik, in den Binnenlandorten eine rauere Fachwerktradition. Wer aus Luminere kommt, findet die piconische Architektur karg. Wer aus Caprica kommt, findet sie menschlich. Die Piconer selbst finden sie vor allem richtig dimensioniert.
Das Flottenhauptquartier am Rand von Queenstown ist ein Komplex funktionaler Gebäude, die von außen nicht mehr Eindruck machen als sie müssen. Die Piconer halten es für angemessen, dass das militärische Zentrum der Kolonien nicht architektonisch prahlt. Die Besucher aus Caprica, die eine Art Pentagon erwartet haben, sind beim ersten Besuch oft enttäuscht und beim zweiten Besuch erleichtert.

Kapitel 3: Politik und Institutionen

3.1 Eine funktionierende Demokratie

Picon ist eine parlamentarische Demokratie mit direktem Wahlrecht, Ein-Kammer-Parlament und einem Premierminister, der von der Parlamentsmehrheit gewählt wird. Die Institutionen arbeiten, die Wahlen sind unaufgeregt, die Regierungswechsel verlaufen ohne Drama. In den politologischen Seminaren der kolonialen Universitäten wird Picon regelmäßig als Lehrbuchbeispiel einer stabilen Demokratie geführt, was in piconischen Regierungskreisen mit höflicher Zurückhaltung aufgenommen wird: man mag es, aber man will damit nicht prahlen.
Die piconische politische Kultur ist geprägt von einer tiefen Abneigung gegen theatralische Rhetorik. Parlamentsdebatten sind technisch, mit niedriger Lautstärke und ohne die hysterischen Stilmittel, die in Caprica City und Boskirk üblich sind. Wer in Queenstown seine Stimme erhebt, hat entweder eine sehr gute Begründung oder er verliert Zustimmung. Diese Kultur produziert langsame Politik, aber sie produziert auch wenige Skandale, und die Piconer halten den Tausch für fair.

3.2 Gesundheit und Bildung als Grundrecht

Gesundheitsversorgung und Bildung sind auf Picon gesetzlich verbriefte Grundrechte. Wer krank wird, wird behandelt; wer studieren will und es kann, studiert. Dieses System existiert seit Generationen und wird von der überwiegenden Mehrheit der Piconer als Selbstverständlichkeit betrachtet. Die Finanzierung erfolgt über eine Mischung aus Steuern und Sozialabgaben, die deutlich höher liegt als auf Caprica und die die Piconer mit jener sachlichen Zustimmung zahlen, mit der man eine Versicherung zahlt, von der man weiß, dass man sie braucht.
Dass dieses System in capricanischen Wirtschaftsmagazinen gelegentlich als ineffizient bezeichnet wird, wird auf Picon zur Kenntnis genommen und in der Regel nicht kommentiert. Wer sich eine eigene Meinung über ein piconisches Krankenhaus bilden will, möge eines besuchen. Diese stille Selbstgewissheit ist eine der stabilsten Zutaten der piconischen Identität.

3.3 Die Beziehung zur Kolonialflotte

Das Verhältnis Picons zur Colonial Fleet ist eng und ambivalent. Einerseits ist die Flotte der größte Arbeitgeber des Planeten und die wirtschaftliche Grundlage weiter Teile Perkinstons; andererseits ist die Flotte eine koloniale Institution, nicht eine piconische. Wenn das Parlament in Queenstown über militärische Fragen berät, berät es als Parlament einer Einzelkolonie mit starken Interessen, nicht als militärisches Gremium. Diese Unterscheidung wird auf Picon peinlich genau beobachtet. Man dient der Flotte, man ist nicht die Flotte.
Die Flottenveteranen Picons sind eine eigene soziale Gruppe mit eigener Kultur, eigenen Stammkneipen, eigenen Erinnerungsritualen. Der Jahrestag der Unterzeichnung der Kolonisationsartikel wird in Queenstown und Perkinston mit mehr militärischem Pomp begangen als an fast jedem anderen Ort der Kolonien. Nicht weil die Piconer besonders patriotisch wären, sondern weil ihre Familien in jedem Krieg besonders viel verloren haben. Der Pomp ist Trauer, die sich selbst nicht ganz eingestehen will.

Kapitel 4: Die Geschichte Picons

4.1 Die frühe Besiedlung (2850–3500)

Der Stamm der Pisces erreichte nach dem Exodus von Kobol jene wasserreiche Welt, die später seinen Namen tragen sollte. Die Überlieferungen berichten, dass die erste Landung in einer geschützten Bucht erfolgte, die später zum Penrose Harbor ausgebaut werden sollte. Ob das historisch zutrifft oder ob es sich um eine spätere Rückprojektion handelt, die Queenstown einen mythischen Gründungsort geben sollte, ist unter piconischen Historikern eine offene Frage, über die man mit der Ruhe akademischer Höflichkeit diskutiert.
Die frühe piconische Gesellschaft entwickelte sich als maritime Siedlungskultur. Mehrere unabhängige Hafenstädte, lose verbunden durch Handel und gemeinsame Religion, bildeten das politische Gefüge. Zentrale Macht gab es nicht. Poseidon wurde verehrt, die Tempel waren Häfen ähnlich, und die Priester waren oft zugleich Seefahrer.

4.2 Die virgonische Kolonisierung (3500–4100)

In der Expansionszeit des virgonischen Imperiums wurde Picon als Kolonie Virgons vereinnahmt. Die virgonische Herrschaft verlief weniger brutal als auf Tauron oder Sagittaron und entwickelte sich über die Jahrhunderte in eine Art vertraglicher Abhängigkeit: ein virgonischer Gouverneur, ein lokales Parlament mit beschränkten Kompetenzen, eine gemeinsame Währung, gemeinsame Handelsrouten. Picon war Virgons wichtigste überseeische Besitzung und lieferte Fisch, Holz und Schiffsbauerzeugnisse. Die virgonischen Eliten siedelten in Queenstown und prägten die Stadt architektonisch und sprachlich.
Diese Epoche hat Picon kulturell gezeichnet. Der piconische Akzent trägt virgonische Spuren, die Verfassung ahmt in ihren älteren Teilen das virgonische Modell nach, das piconische Zeremoniell bei offiziellen Anlässen hat etwas unverkennbar Virgonisches. Anders als Tauron oder Sagittaron hat Picon diese Erbschaft nicht mit Bitterkeit integriert, sondern mit einer Art pragmatischer Anerkennung: man hat gelernt, was zu lernen war, und das Unangenehme vergessen. Das Verhältnis der beiden Kolonien ist heute freundlich und etwas distanziert, wie bei ehemaligen Nachbarn, die sich nichts mehr zu sagen haben, aber einander zuwinken.

4.3 Die Unabhängigkeit und die Republik (4100–4600)

Die Lösung Picons von Virgon verlief, im Unterschied zu den Aufständen auf Tauron und Sagittaron, weitgehend friedlich. Im Zuge des virgonischen Niedergangs wurden die kolonialen Verträge schrittweise neu verhandelt, bis Picon de facto unabhängig war, bevor es de jure unabhängig wurde. Die offizielle Unabhängigkeitserklärung datiert aus dem frühen 42. Jahrhundert und wurde in Queenstown ohne großen Pomp unterzeichnet. Die piconische Republik trat als Rechtsnachfolgerin der virgonischen Kolonialverwaltung auf und übernahm einen erheblichen Teil ihrer Institutionen, allerdings in demokratisierter Form.
Die folgenden Jahrhunderte waren die Blütezeit der piconischen Seefahrt und des piconischen Schiffsbaus. Die Werften in Perkinston und Queenstown wuchsen zu den größten der Kolonien, die Handelsmarine zu einer der wichtigsten. Die politische Kultur konsolidierte sich in jene parlamentarische Demokratie, die bis heute fortbesteht. Schrittweise Reformen, keine Revolution: das ist die typisch piconische Art der Veränderung, und sie hat, wie die Piconer gerne anmerken, deutlich länger gehalten als die meisten revolutionären Alternativen.

4.4 Die Industrialisierung und der Erste Cylonenkrieg (4600–4805)

Die industrielle Revolution traf Picon früher als Aerilon und später als Caprica, und die Kolonie nutzte die Zeit klug. Die Werften modernisierten sich, die Fischverarbeitung wurde professionalisiert, das Bildungssystem ausgebaut. Als der Erste Cylonenkrieg ausbrach, war Picon eine der industriell leistungsfähigsten Welten der Kolonien. Das war ein Glück und ein Unglück zugleich: die piconischen Werften bauten die Schiffe, die den Krieg gewannen, und die piconischen Städte waren strategische Ziele ersten Ranges.
Queenstown und Perkinston wurden schwer bombardiert. Die Opferzahlen, relativ zur Bevölkerung, lagen über dem kolonialen Durchschnitt. Der Wiederaufbau erfolgte pragmatisch, ohne die ideologischen Debatten, die auf Caprica und Leonis geführt wurden: was wiederaufgebaut werden musste, wurde wiederaufgebaut; was sich modernisieren ließ, wurde modernisiert; was verloren war, blieb verloren. Die piconischen Kriegerdenkmäler sind zahlreich und unprätentiös. Sie tragen Namen, keine Heldenepen.

4.5 Die koloniale Epoche (4805–4856)

Die Unterzeichnung der Kolonisationsartikel wurde auf Picon mit sachlicher Zustimmung aufgenommen. Das Hauptquartier der Colonial Forces fand seinen Platz bei Queenstown, die Militärakademie wurde ausgebaut, die piconischen Werften wurden zum industriellen Rückgrat der neuen kolonialen Flotte. Die Republik verlor dabei nichts von ihrer inneren Selbstständigkeit, aber sie gewann eine neue Funktion: sie wurde die militärisch-industrielle Stütze einer Föderation, deren politisches Zentrum anderswo lag.
In den Jahrzehnten vor dem zweiten Angriff war Picon eine wohlhabende, stabile, wachsende Kolonie mit einer intakten Selbstauffassung. Es gab keine großen politischen Krisen, keine Reformbewegungen, die das System hätten sprengen wollen. Die piconische Presse berichtete ausführlich über die Skandale der anderen Kolonien und nur zurückhaltend über die eigenen, was einer der Gründe ist, warum Picon im kolonialen Vergleich oft gut abschnitt. Die andere Erklärung lautet, dass es tatsächlich weniger Skandale gab.

Epilog: Das Ende (4856)

Am 276. Tag des Jahres 4856 traf der zylonische Angriff auch Picon. Das Hauptquartier der Colonial Forces in Queenstown war eines der ersten Ziele und wurde in den ersten Stunden zerstört. Admiral Nagala, der zu diesem Zeitpunkt auf einem anderen Schiff im Orbit war, übernahm das Kommando über die Reste der Flotte, sprang nach Virgon und starb dort. Perkinston, die großen Werften, Pailyn, die Ressourcen, die Schiffe in den Docks: alles wurde getroffen, das meiste zerstört.
Unter den Überlebenden der Flotte sind Piconer überdurchschnittlich vertreten, aus einem traurigen Grund: sie waren zum Zeitpunkt des Angriffs zu einem erheblichen Teil im All. Besatzungen der Battlestars, der Destroyer, der Versorgungsschiffe; Flottenangehörige auf Verlegung, auf Übung, auf Urlaub zwischen den Schiffen. Picon hat mehr Uniformen in der Flotte als jede andere Kolonie, und Picon hat entsprechend mehr Erinnerungen an eine Heimat, die nicht mehr existiert.
Die piconischen Überlebenden tragen diese Erbschaft mit der gewohnten Zurückhaltung. Sie sprechen wenig von zu Hause. Sie tun ihre Arbeit. Sie trinken ihr Bier, wenn es eines gibt. Wenn sie von Queenstown reden, reden sie oft von einer bestimmten Straße, einem bestimmten Café, einer bestimmten Aussicht auf den Penrose Harbor am Abend. Nicht von großen Dingen. Von kleinen, die man vermisst.

5. Irdische Entsprechung

Farbe: Türkis │ Dominantes Merkmal: Meer, Flotte

Kurzversion:
Picon riecht nach Salzwasser und funktionierender Demokratie. Hauptquartier der Kolonialflotte, Seefahrertradition, kalte Winter und ein pragmatisches Volk, das lieber Dinge repariert als Reden darüber hält. Picon ist das Kanada der Kolonien — kompetent, zuverlässig, und chronisch unterschätzt.

Ausführliche Notizen:
Die Kanada-Parallele ist von den Produzenten selbst bestätigt, inklusive eines schönen Meta-Details: Picon gibt Steuererleichterungen für Filmproduktionen und wird deshalb oft als Stand-in für Caprica benutzt — exakt das Verhältnis zwischen Vancouver und Hollywood. Darüber hinaus transportiert Picon die romantisierte skandinavische Moderne: Südskandinavien, nicht das arktische Aquarion, sondern Kopenhagen, Göteborg, Stockholm — effektive Demokratie, hohe Lebensqualität, pragmatischer Umgang mit Problemen. Die Seefahrertraditionen sind zentral — Picon definiert sich übers Meer, Fischerei, Werften, Navigation. Dass das Flottenhauptquartier hier steht, ist kein Zufall: Picon baut Schiffe, seit es Picon gibt. Kalte Winter, raue Küsten, ein Volk, das hart arbeitet und wenig Aufhebens darum macht. Die Abgrenzung zu Aquarion: Aquarion ist das urtümliche, isolierte Nordische — Sagas und Gletscher. Picon ist das moderne, vernetzte Nordische — Wohlfahrtsstaat und Handelsflotte.

Inspiration:
Kanadische Seefahrerdramen, Borgen (für die skandinavische Demokratie-Romantik), Dokumentationen über die Royal Canadian Navy.

6.Charaktere von Picon

This website uses cookies. By using the website, you agree with storing cookies on your computer. Also, you acknowledge that you have read and understand our Privacy Policy. If you do not agree, please leave the website.

Weitere Information